Schneller anhören spart Zeit. Vertont durch Vavene Vocalis (Marcos KI-Stimme)
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In der Geschäftswelt verwenden unzählige Unternehmer, Bewerber und Gründer enorme Energie darauf, kleine Dellen in ihrem Lebenslauf oder in ihrer Unternehmenshistorie kosmetisch zu kaschieren. Man formuliert um, lässt Lücken im Dunkeln und hofft, dass der Investor, die Bank oder der Großkunde nicht zu tief nachbohrt. Doch genau diese Angst vor der eigenen Geschichte macht angreifbar – und nimmt einem die stärkste Waffe im Wettbewerb um Vertrauen: die ungeschminkte, offensive Wahrheit, gepaart mit unbestreitbarer Spitzenleistung.

Wie man selbst mit der denkbar schwersten Hypothek – einer laufenden mehrjährigen Haftstrafe wegen internationalen Drogenschmuggels – hochkarätige Entscheidungsträger für sich gewinnt, schildere ich im Podcast Von Bohne zu Bohne (Staffel 9, Episode 7).

Das Finanzierungs-Dilemma vor dem Gefängnistor

Während ich in der JVA Freiburg als ehemaliger Hauptschüler die Berufsoberschule als Klassenbester mit einem Abiturschnitt von 1,5 absolvierte, plante ich bereits generalstabsmäßig mein anschließendes Informatikstudium an der Universität Freiburg. Dabei erkannte ich früh eine kritische Gefahr: Nach fast sieben Jahren hinter Gittern würde die Rückkehr in eine völlig veränderte Welt (in der inzwischen Smartphones und mobiles Internet den Alltag beherrschten) meine gesamte mentale Anpassungskraft fordern.

Ich wusste: Wenn ich gleichzeitig Vollzeit Informatik studiere, mich nach sieben Jahren Haft wieder in die Gesellschaft integriere und nebenbei noch kellnern oder jobben muss, um meine Miete zu zahlen, ist das Pensum selbst für mich zu hoch. Ich brauchte für den Start in die Freiheit eine solide Finanzierung – und beschloss, mich noch aus der Zelle heraus um ein Begabtenstipendium zu bewerben.

Sabotage durch die Bürokratie – und die Allianz der Briefmarken

Als der zuständige Bereichsdienstleiter der JVA Freiburg Wind davon bekam, dass ich 23 hochwertige Bewerbungsmappen vorbereitet hatte, ließ er mich antanzen und erklärte kühl: „Herr Deutschmann, wenn Sie vorhaben, diese Mappen wegzuschicken, schiebe ich da einen Riegel vor.“ Als ich ihn ruhig auf die Rechtslage hinwies, musste der Beamte zwar einräumen, dass er es mir gesetzlich nicht verbieten konnte, verweigerte jedoch jede logistische Unterstützung durch die Anstalt.

Ich stand vor einem scheinbar unlösbaren Problem: Wie frankiert und versendet man 23 schwere Bewerbungsmappen aus einem Hochsicherheitsgefängnis, ohne dass der Bereichsdienstleiter sie abfängt oder anhand der Einkaufslisten herausfindet, wer plötzlich Dutzende Briefmarken bestellt hat?

Die Lösung war ein Meisterstück informeller Führung und Beziehungsarbeit: Mehrere Mitgefangene erklärten sich solidarisch bereit, auf eigenes Risiko über ihre Konten einzelne Briefmarken für mich einzukaufen. Und die Sekretärin der Gefängnisschule – die mich wegen meines unermüdlichen Einsatzes stets respektvoll mit „Herr Deutschmann“ ansprach – bot mir eine mutige Lösung an: Wenn ich alle 23 Mappen fertig frankiert und unverschlossen bei ihr abgebe, sodass sie den Inhalt auf Sicherheit prüfen könne, werde sie sämtliche Mappen persönlich aus der Anstalt tragen und draußen bei der Post einwerfen.

„Ich bin im Knast – und genau das schreibe ich auf Seite eins!“

Noch bemerkenswerter als die Logistik war jedoch der Inhalt der 23 Mappen. Viele Mitgefangene hatten mir dringend geraten, meine Inhaftierung zu verschweigen und lediglich die neutrale Straßenanschrift der Anstalt (Hermann-Herder-Straße 8, Freiburg) ohne den Zusatz „JVA“ anzugeben.

Ich lehnte diese Täuschung kategorisch ab. Meine Haltung zur Integrität und Verantwortung war unmissverständlich: „Ich will von diesen Stiftungen Geld. Also hat mein Gegenüber das faire Recht, auf der allerersten Seite meine wahre Geschichte zu erfahren – was ich getan habe, warum ich im Gefängnis sitze, welche Noten ich mir hier erkämpft habe und warum ich diese Unterstützung für mein Studium brauche. Danach können sie frei Ja oder Nein sagen.“

Das Ergebnis dieser radikalen Transparenz schrieb Geschichte: Von den 23 angeschriebenen Institutionen sagten mir gleich zwei renommierte Stiftungen – die Thomas-Gessmann-Stiftung sowie die Konrad-Zuse-Stiftung – ein Stipendium zu, das pünktlich mit meinem ersten Tag an der Universität Freiburg ausgezahlt wurde. Und auch später an der Universität hielt ich an meiner Grundregel fest: Lerne mich zuerst als Mensch kennen, und dann lege ich sofort meine wahre Geschichte offen auf den Tisch.

Medien-Hintergrund: Wie die Geschichte des „Stipendiaten aus der Zelle“ später von DIE ZEIT, dem SWR und zahlreichen Wirtschaftsmedien aufgegriffen wurde, zeigt die Presse- und Medienseite.

Drei Gesetze für Überzeugungskraft gegen alle Wahrscheinlichkeiten

  1. Offensive Wahrheit entwaffnet jeden Einwand: Ein Makel in der Historie – ob eine vergangene Insolvenz, ein Karrierebruch oder eine Krise – verliert in genau dem Moment seine zerstörerische Kraft, in dem man ihn selbst auf Seite eins offen ausspricht und mit aktuellen Spitzenleistungen (wie dem 1,5-Abitur und Fachgutachten) untermauert.
  2. Wer 23 Mappen schickt, braucht keine 23 Zusagen: Viele Unternehmer geben nach zwei Ablehnungen von Banken oder Großkunden entmutigt auf. Wer nüchtern über die Schlagzahl kalkuliert, weiß: 21 Absagen sind vollkommen irrelevant, wenn die 2 Zusagen die gesamte Wachstumsphase sichern.
  3. Echte Exzellenz zieht stille Verbündete an: Ohne die Schulsekretärin und die Kameraden im Trakt hätten die Mappen das Gefängnis nie verlassen. Wer jeden Tag überdurchschnittlich leistet und Menschen mit Respekt begegnet, findet im entscheidenden Moment immer Unterstützer, die helfen, bürokratische Mauern zu überwinden.

Fazit: Zur eigenen Geschichte stehen – und den Beweis der Wandlung liefern

Entscheider, Investoren und Stiftungen suchen keine fehlerfreien Heiligen. Sie suchen Menschen mit Rückgrat, die zu ihren Fehlern stehen, daraus gelernt haben und durch außergewöhnliche Disziplin beweisen, dass jede Investition in sie reiche Früchte trägt.

Dein nächster Schritt

Marco Deutschmann

Marco Deutschmann

Marco Deutschmann, Gründer des P.E.R.L.S.© Education Systems.
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