Schneller anhören spart Zeit. Vertont durch Vavene Vocalis (Marcos KI-Stimme)
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In der Wirtschaft erlebt man regelmäßig, wie erfolgreiche Unternehmen von technologischen oder regulatorischen Umbrüchen kalt erwischt werden. Wenn man die Verantwortlichen anschließend fragt, warum sie nicht rechtzeitig gegengesteuert haben, lautet die Antwort fast immer: „Wir waren im Tagesgeschäft so eingespannt, dass wir uns erst darum kümmern konnten, als der Trend bereits voll im Markt eingeschlagen war.“ Doch wer erst dann anfängt zu lernen, wenn sich die Welt da draußen bereits gedreht hat, läuft dem Markt nur noch atemlos hinterher.

Wie man sich selbst in völliger physischer Isolation auf eine radikal veränderte Zukunft vorbereitet, schildere ich im Podcast Von Bohne zu Bohne (Staffel 9, Episode 7).

Die eingefrorene Zeitkapsel: Sieben Jahre technologischer Quantensprung

Man muss sich den technologischen Zeitsprung vor Augen führen, der zwischen meiner Verhaftung am 11. Dezember 2006 am Pariser Flughafen Charles de Gaulle und meiner Entlassung im Jahr 2013 lag: Als ich mit 23 Jahren in die Zelle gesperrt wurde, war es bereits eine Sensation, wenn ein klobiges Tastenhandy ein unscharfes Farbfoto aufnehmen konnte. Das erste iPhone war noch nicht einmal vorgestellt.

Während ich fast sieben Jahre lang hinter dicken Steinmauern in Frankreich und Deutschland saß – ohne Smartphone, ohne freies Internet und in einer Welt, in der Briefe noch mit der Hand geschrieben und mit physischen Briefmarken frankiert wurden –, fand draußen die größte digitale Revolution der Menschheitsgeschichte statt: Smartphones, Tablets, Apps, soziale Netzwerke und mobiles Hochgeschwindigkeitsinternet veränderten jeden Lebens- und Wirtschaftsbereich.

Für die allermeisten Langzeitgefangenen bedeutete dieser Wandel bei ihrer Entlassung einen totalen Kulturschock. Sie traten vor das Gefängnistor in eine Welt, deren Werkzeuge und Codes sie nicht mehr verstanden – so sehr, dass ich mehrere intelligente Mitgefangene erlebte, die draußen aus purer Überforderung absichtlich wieder eine Straftat begingen, nur um in die vertraute, berechenbare Welt des Gefängnisses zurückzukehren.

c't-Magazine in der Zelle und die strategische Studienwahl

Ich wusste früh, dass mir genau diese Entfremdung niemals passieren durfte. Ich stellte mich einer ehrlichen Selbstanalyse: Wenn ich eines Tages in die Gesellschaft zurückkehre und dümmer bin als beim Reingehen, welchen Mehrwert habe ich dann für die Welt? Gar keinen.

Also verwandelte ich meine Zelle in ein Zukunfts-Forschungslabor:

  • Theoretische Synchronisation mit der Außenwelt: Da ich Smartphones und Tablets physisch nicht in die Hand nehmen konnte, abonnierte und studierte ich hinter Gittern akribisch Fachzeitschriften wie das renommierte Computermagazin c't. Ich las jeden Artikel über neue Betriebssysteme, Prozessoren, Netzwerke und Softwarearchitekturen. Als ich entlassen wurde, hatte ich zwar noch nie auf einem modernen Touchscreen gewischt – doch theoretisch war ich über die gesamte technologische Entwicklung besser informiert als der Durchschnittsbürger draußen.
  • Die nüchterne Ausschluss-Analyse der Studienfächer: Nach meinem 1,5-Abitur in der JVA Freiburg prüfte ich nüchtern, welches Universitätsstudium mir den stärksten Hebel für die Zukunft bieten würde. Jura schied aus, weil mir durch die Vorstrafe die Zulassung als Rechtsanwalt verwehrt war und ich mir das nötige Gesetzeswissen für den Alltag bereits selbst beibrachte. Klassische Wirtschaftswissenschaften verwarf ich, weil das jeder studierte und dort selten echtes Unternehmertum gelehrt wurde. Bei der akademischen Psychologie analysierte ich vorab das Modulhandbuch und stellte fest, dass die trockene Statistik an der Universität wenig mit meiner praktischen Menschenkenntnis zu tun hatte. Also wählte ich Informatik – jenes Zukunftsfeld, das mich schon als Jugendlicher fasziniert hatte und mir als früherem Hauptschüler damals verschlossen gewesen war.
  • Nahtloser Übergang ohne Leerlauf: Noch aus dem geschlossenen Vollzug heraus schrieb ich mich zunächst an der Fernuniversität Hagen ein, um keine einzige Woche zu verlieren, und wechselte mit dem Übergang in den offenen Vollzug direkt in den Hörsaal der Universität Freiburg.
Mehr über das P.E.R.L.S.®-System: Wie strategische Weitsicht, lebenslanges Lernen und Personal Development zusammenspielen, dokumentieren auch die Fernseh- und Pressebeiträge auf der Presse- und Medienseite.

Drei Regeln für Zukunftsfähigkeit im Management

  1. Niemals zulassen, dass das operative „Gefängnis“ den Horizont einfriert: Viele Geschäftsführer sitzen in einer unsichtbaren Zelle aus täglichen Meetings, internen E-Mails und Branchenroutinen. Wer nicht jede Woche feste Zeiten blockt, um technologische und gesellschaftliche Umbrüche außerhalb der eigenen Branche zu studieren, wacht eines Tages in einer fremden Welt auf.
  2. Weiterbildung nach strategischem Hebel wählen, nicht nach Bequemlichkeit: Bevor ein Unternehmer oder eine Führungskraft Zeit in ein Studium, ein Zertifikat oder eine neue Sparte investiert, muss die Modul- und Nutzenprüfung stattfinden: Bringt dieses Wissen in fünf Jahren eine unersetzbare Position, oder macht man nur das, was alle anderen auch machen?
  3. Die Brücke bauen, bevor das alte Ufer wegbricht: Ich bewarb mich um Studienplatz, Fernuni und Stipendien, als ich noch hinter verschlossenen Türen saß. Erfolgreiche Unternehmen entwickeln ihr nächstes Geschäftsmodell nicht erst, wenn das alte tot ist, sondern mitten aus dem laufenden Betrieb heraus.

Fazit: Die Zukunft gehört denen, die sie im Voraus studieren

Niemand muss ein neues Werkzeug bereits physisch in den Händen halten, um sich geistig auf dessen Ära vorzubereiten. Wer seine Warte- und Krisenzeiten nutzt, um das Wissen von morgen aufzusaugen, betritt das neue Spielfeld nicht als orientierungsloser Rückkehrer, sondern als bestens vorbereiteter Gestalter.

Dein nächster Schritt

Marco Deutschmann

Marco Deutschmann

Marco Deutschmann, Gründer des P.E.R.L.S.© Education Systems.
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