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Wenn 30.000 Euro im Monat nur den Käfig vergolden

Wenige Tage vor unserer Aufnahme erzählte mir ein Gesprächspartner einen Satz, der mir sofort im Gedächtnis blieb: „Viele Menschen wollen aus dem Hamsterrad ausbrechen, weil sie mit 2.000 oder 3.000 Euro im Monat unzufrieden sind – und streben deshalb 30.000 Euro im Monat an. Die Realität ist: Wenn sie dort ankommen, sitzen sie einfach nur im goldenen Hamsterrad.“

Als ich diesen Gedanken in mein UNCUT-Interview mit dem gerade 38 Jahre alt gewordenen Serienunternehmer Badih Hamze mitbrachte, traf ich bei ihm mitten ins Schwarze. Badih hat über ein Jahrzehnt lang nach dem klassischen Vollgas-Gesetz gelebt: Zuerst die Familie, dann die Arbeit, dann die Termine – und an allerletzter Stelle irgendwann die eigene Gesundheit und Erholung. Erst wenn er abends nach sechs Stunden am Schreibtisch achtzig Prozent seiner To-do-Liste abgearbeitet hatte, gestand er sich innerlich einen erfolgreichen Tag zu.

Im Alter von 38 Jahren zog Badih – angestoßen durch seinen Personal Trainer und enge Unternehmerfreunde – eine bewusste Bilanz und stellte seine Prioritäten vom Kopf auf die Füße: Gesundheit auf Platz eins, das Arbeitshandy um 19 oder 20 Uhr konsequent ausschalten, beim zwanzigminütigen Spaziergang mit dem Hund das Telefon in der Tasche lassen und das Leben nicht wie ein Fahrer im Porsche 911 mit 200 PS stur auf der linken Autobahnspur verbringen, ohne jemals die schönen Ausfahrten (wie spontane Viertagestrips mit der Familie) zu nehmen.

Am Ende unseres Gesprächs habe ich auf meinem Notizblock die fünf stärksten unternehmerischen Gesetze zusammengefasst, die sich wie ein roter Faden durch Badihs Geschichten zogen.

Regel 1: Man bereut am Ende nur das, was man NICHT getan hat

Viele angehende Gründer erstarren vor dem ersten Schritt, weil sie Angst vor dem Scheitern haben oder im Bekanntenkreis auf Neider hören, die ihnen jede Idee schlechtreden. Badih selbst startete nach seiner Ausbildung Schritt für Schritt: erst nebenberuflich, dann in Teilzeit – gestützt durch seine Ehefrau, die ihm in den ersten Monaten den Rücken freihielt und Miete sowie Einkäufe absicherte, falls ein Monat schwächer lief –, während er sich über YouTube, Fachbücher und jüngst sogar wieder mit einer 6.000-Euro-Weiterbildung permanent neues Werkzeug aneignete.

Als er im Gespräch den Satz aussprach:

„Das, was man im Leben nicht gemacht hat, wird man später viel mehr bereuen als das, was man gemacht hat und bei dem man gescheitert ist“,

musste ich diesen Gedanken sofort dick unterstreichen. Wenn Menschen am Ende ihres Lebens auf dem Sterbebett zurückblicken, klagt niemand darüber, eine Million zu wenig auf dem Konto gehabt oder ein Projekt in den Sand gesetzt zu haben. Zu achtzig Prozent bereuen Menschen unterlassene Schritte und verpasste Beziehungszeit – den Anruf bei der Mutter, die Zeit mit dem eigenen Kind oder den mutigen Sprung in ein Herzensprojekt.

Regel 2: Physische Präsenz schlägt jedes Kämmerlein (Das Wunder des J’adore-Ladenlokals)

Warum lohnt sich das Machen selbst dann, wenn das ursprüngliche Projekt wirtschaftlich scheitert? Badih bewies dies an der wohl besten Unternehmer-Anekdote unseres gesamten Abends.

Für sein Unternehmen J’adore – einen Handel für gebrauchte Luxus-Handtaschen von Marken wie Louis Vuitton, Gucci, Prada, MCM und Hermès – mietete Badih vor drei Jahren für sechs Monate einen physischen Pop-up-Store. Die Hoffnung war groß, dass der Laden einschlagen und eine ganze Kette von Filialen begründen würde. Doch in der Realität ging das Ladenlokal wegen falscher Standort-Zielgruppe komplett nach hinten los und verbrannte Geld; nach sechs Monaten musste Badih die teuren Ladenmöbel wieder in den Keller räumen.

Auf den ersten Blick ein klassischer Flop. Doch weil Badih vor Ort präsent gewesen war, passierten zwei Dinge, die das „Scheitern“ in einen Goldschatz verwandelten:

  1. Direkt neben dem Pop-up-Store saßen drei benachbarte Unternehmen. Durch den persönlichen Kontakt vor Ort wurden alle drei Nachbarfirmen langjährige Kunden seiner Marketingagentur LeadNerd – und brachten ihm über die letzten drei Jahre ein Vielfaches dessen ein, was der Taschenladen jemals hätte abwerfen können!
  2. Und die vermeintlich nutzlosen Ladenmöbel aus dem Keller? Sie bilden heute eins zu eins das hochwertige Set seines Podcasts „Wer ist dein Nachbar?“, aus dem wiederum neue Freundschaften und Kundenbeziehungen entstehen!

Wie Badih es im Gespräch auf den Punkt brachte: „Viele sagen, man muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Doch wenn du gar nicht erst vor Ort hingehst, kann dir das Glück dort auch niemals begegnen.“

Regel 3: Die Falle der „Liabilities“ – wenn Besitz den Besitzer besitzt

Je höher das Vermögen steigt, desto größer wird die Gefahr, sich durch riesige Verbindlichkeiten (Liabilities) ein goldenes Gefängnis zu bauen. Ich erzählte im Gespräch von zwei realen Beispielen aus meinem eigenen Bekanntenkreis:

  • Ein befreundeter Unternehmer kaufte sich eine gigantische dreistöckige Villa – und bewohnt heute ganz allein nur noch das Erdgeschoss, während zwei komplette Etagen leer stehen.
  • Ein anderer ließ sich ein Haus mit einer eigenen Schwimmbad-Etage im Untergeschoss bauen. Nachdem Frau und Kinder ausgezogen sind, ist in dem riesigen Indoor-Pool heute nicht einmal mehr Wasser eingelassen.

Auch Badihs ehrlicher Blick hinter die Kulissen von Dubai – wo sein früherer Geschäftspartner bei FireTicket lebt, bevor Badih ihm die Ticket-Plattform gegen Auszahlung seiner Entwicklungskosten komplett übergab – entzauberte den schnellen Luxus-Mythos: Wer in Dubai zwar Einkommensteuer spart, als Familienvater jedoch plötzlich 25.000 Dollar pro Jahr allein für einen guten Kindergartenplatz, noch höhere Summen für Privatschulen sowie jede Arztrechnung aus eigener Tasche zahlen muss, merkt schnell, dass mehr Bruttoeinnahmen bei explodierenden Fixkosten keinerlei zusätzliche Freiheit bedeuten. Bevor man sich den dritten Job auflädt, ist die Reduktion unnötiger Fixkosten fast immer der klügere Hebel zur Freiheit.

Regel 4: Die Zwei-Sekunden-Regel und die Macht positiver Schlussworte

Für die Säule Rhetorik und Kommunikation im P.E.R.L.S.-System lieferte unser Gespräch drei sofort anwendbare Werkzeuge:

  • Zwei bis drei Sekunden innehalten: Badih berichtete von einem früheren Chef, der vor jeder Antwort zwei bis drei Sekunden schwieg. Als junger Mann hielt Badih das für eine Marotte; heute weiß er, dass genau diese kurze Denkpause in Konflikten verhindert, dass das ungefilterte Ego spricht, und stattdessen präzise gewählte Worte ermöglicht.
  • „Alternative“ statt „Ersatz“ – und „Trotzdem“ streichen: Wer einem Kunden eine „positive Alternative“ anbietet, lässt ihm die volle Entscheidungsfreiheit auf Augenhöhe. Und wer sich am Ende eines erfolglosen Gesprächs das passiv-aggressive „Trotzdem danke“ (was unterschwellig wie „Danke für gar nichts“ klingt) abgewöhnt und stattdessen jedem Gesprächspartner – vom O2-Verkäufer über die Arztpraxis bis zum Gemüsehändler – herzlich „Viel Erfolg und bleiben Sie gesund!“ wünscht, holt sein Gegenüber sofort aus der Alltags-Trance und erntet ein echtes Lächeln.
  • Was man nicht ändert, hat man akzeptiert: Wenn Freunde einen permanent als seelischen Mülleimer für ihren Frust missbrauchen, ohne jemals etwas an ihrer Lage zu ändern, gibt es nur zwei gesunde Wege: Entweder man zieht eine klare Grenze („Ich helfe dir gerne bei Lösungen, deinen Dauerfrust nehme ich jedoch nicht mehr entgegen“) – oder man akzeptiert es, ohne sich selbst darüber den Kopf zu zerbrechen.

Regel 5: Die drei unumstößlichen Säulen im echten Vertrieb

Wenn es um den Abschluss im Verkauf geht, verlässt sich Badih weder auf billige Manipulation noch auf leere Versprechungen, sondern auf radikale Ehrlichkeit (selbst wenn eine Mitarbeiterin einmal ein Kunden-Posting vergessen hat: offen zugeben „Wir haben es vergessen“ und sofort als Lösung zwei Wochen lang Zusatz-Postings liefern!) sowie auf drei eiserne Handwerks-Säulen:

  1. 100 Prozent Produktkenntnis: Man muss sein eigenes Angebot im Schlaf kennen, ohne jemals ins Stammeln zu geraten.
  2. Die Top-5-Konkurrenten kennen: Als ein Kunde zu Badih sagte, er bekomme eine Website bei 1&1 für 300 Euro statt für 1.000 Euro, konnte Badih sofort ruhig aufzeigen, wo der Baukasten bei individuellen Darstellungen und späteren Unternehmens-Erweiterungen an seine Grenzen stößt.
  3. Den Leitfaden 1.000-mal verinnerlicht haben: Erst wenn das Gesprächsgerüst tausendmal trainiert wurde, spricht man am Telefon völlig frei und authentisch.
Impuls aus der Wirtschaft: Warum genau diese Verbindung aus ehrlicher Fehlerkultur, kaufmännischer Klarheit und menschlicher Haltung über nachhaltigen Erfolg entscheidet, beleuchtete ich auch bei den 20. Egger Wirtschafts-Gesprächen (dokumentiert auf der Presse-Seite).

Dein nächster Schritt

Rennst Du aktuell noch in einem goldenen Hamsterrad aus steigenden Umsätzen und wachsenden Verpflichtungen – oder baust Du Dir ein Unternehmen auf, das Deiner Gesundheit, Deiner Familie und Deiner Freiheit dient?

  • Sieh Dir das gesamte Gespräch an: Die komplette UNCUT-Episode mit Badih Hamze findest Du hier auf YouTube.
  • 1:1 Mentoring & Unternehmensarchitektur: Lass uns diese fünf Regeln direkt in Deinen Führungs- und Vertriebsalltag übersetzen – informiere Dich über meine Marco Deutschmann LTD., besuche meine Seminare oder buche Dein persönliches Gespräch auf der Mentoring-Seite.
Marco Deutschmann

Marco Deutschmann

Marco Deutschmann, Gründer des P.E.R.L.S.© Education Systems.
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