Schneller anhören spart Zeit. Vertont durch Vavene Vocalis (Marcos KI-Stimme)
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„Ob Sie zur Schule gehen, entscheide immer noch ich!“

Es gibt Momente im Leben, in denen man mit einem positiven, konstruktiven Ziel vor eine Autorität tritt – und statt Unterstützung eine kalte Machtdemonstration erlebt. Als ich im Jahr 2009 in die JVA Heimsheim verlegt wurde, hatte ich beim Aufnahmegespräch mit dem Gefängnisdirektor ein klares Ziel vor Augen: Ich wollte nicht jahrelang untätig meine Zeit absitzen, sondern so schnell wie möglich in die JVA Freiburg wechseln, um dort an der Gefängnisschule mein Abitur nachzuholen.

Die Antwort des Direktors fiel eisig aus: „Das werden wir noch sehen, ob Sie zur Schule gehen. Denn das entscheide ich.“

Hinter den Kulissen steckte ein handfestes Eigeninteresse des Systems. Ein Gefängnis funktioniert wirtschaftlich wie ein Betrieb, und zuverlässige, leistungsstarke Arbeitskräfte unter den Gefangenen sind extrem rar. In der Heimsheimer Großküche, die täglich über 500 Gefangene versorgte, schmiss ich nach kürzester Zeit ganz allein die anspruchsvolle „kalte Küche“ – einen Arbeitsbereich, für den normalerweise drei Vollzeitkräfte eingeplant waren. Während andere Insassen nach einer Stunde Arbeit in die Kaffeepause verschwanden, arbeitete ich vier bis fünf Stunden auf höchstem Tempo durch. Für die Anstalt war ich eine billige Spitzenkraft für rund einen Euro Stundenlohn, die man unter keinen Umständen an eine Schule in Freiburg verlieren wollte.

Kampf Nr. 1: Der Sozialarbeiter und das Fernstudium

Weil ich die Wartezeit bis zum Schulbeginn nicht ungenutzt verstreichen lassen wollte, bewarb ich mich auf eigene Faust bei der Studiengemeinschaft Darmstadt (SGD) für den neunmonatigen Fernlehrgang „Mit Persönlichkeitstraining zum Erfolg“. Der Kurs kostete über 1.000 Euro – für einen Gefangenen ein Vermögen. Ich schrieb der SGD offen meine Situation und bat um eine Ausnahmeregelung für kleine Monatsraten. Die Fernschule zeigte Herz und gab mir die Chance.

Voller Freude ging ich zu meinem zuständigen Sozialarbeiter, um ihm von dem genehmigten Fernstudium zu berichten. Doch statt Anerkennung erlebte ich einen Wutausbruch: Der Sozialarbeiter tobte, wie ich es wagen könne, mich hinter seinem Rücken anzumelden. Er allein bestimme über den Vollzugsplan – und verbot mir den Kurs kurzerhand: „Kündigen Sie das sofort wieder!“

An diesem Punkt knicken 99 Prozent aller Menschen vor der Übermacht der Institution ein. Ich hingegen begann an diesem Abend in meiner Zelle mein privates Jurastudium:

  1. Schritt 1 – Das Recht auf Bildung: Ich besorgte mir die Gesetzbücher (BGB und Grundgesetz) und suchte so lange, bis ich die exakten Paragrafen zum verfassungsmäßigen Recht auf Bildung und zur vollen Geschäftsfähigkeit von Gefangenen fand. Ich legte sie dem Sozialarbeiter auf den Tisch. Der Mann lief rot an und zischte: „Gut, dann dürfen Sie den Kurs machen – allerdings ohne meine Unterstützung!“ Er blockierte den Zugriff auf mein angespartes Überbrückungsgeld (die vier Siebtel des Gefangenenlohns, die normalerweise bis zu einer Summe von rund 1.700 Euro für die Entlassung gesperrt sind).
  2. Schritt 2 – Das Strafvollzugsgesetz: Ich gab mich damit nicht zufrieden. Ich besorgte mir das spezielle Strafvollzugsgesetzbuch, las es Zeile für Zeile durch und fand den Paragrafen, der ausdrücklich regelt, dass ein Gefangener sein Überbrückungsgeld vorzeitig antasten darf, wenn das Geld nachweislich für berufliche oder schulische Weiterbildung eingesetzt wird.

Erneut hielt ich dem Sozialarbeiter den exakten Gesetzestext unter die Nase. Der Beamte tobte, konnte sich jedoch gegen das geschriebene Gesetz nicht mehr wehren. Kurz darauf traf die schriftliche Genehmigung ein. Gemeinsam mit 55 Euro monatlichem Sondergeld meiner Familie und meinem eigenen Hausgeld zahlte ich Monat für Monat 100 Euro Studiengebühr ab. Während meine Zellengenossen nach der Küchenschicht stundenlang fernsahen, setzte ich meine Kopfhörer auf, ließ klassische Musik von Beethoven laufen, um den Zellenlärm auszublenden, und studierte jeden Nachmittag und Abend für meine Zukunft.

Kampf Nr. 2: Verschwundene Briefe und die „Blitzverlegung“

Noch härter wurde der Kampf um die Verlegung an die Schule nach Freiburg. Auf meinem Stockwerk versah eine schwer alkoholkranke Beamtin ihren Dienst, die unter den Gefangenen nur „der Drache“ genannt wurde. Wer bei ihr in Ungnade fiel, wurde schikaniert: Sie führte fast täglich Zellenkontrollen bei mir durch, ließ Besuchsmitteilungen verschwinden und fing vor allem meine ausgehenden Bewerbungsbriefe an die Schule der JVA Freiburg ab. Keine einzige meiner Bewerbungen kam in Freiburg an.

Doch ich beobachtete das System geduldig und wartete auf die Lücke. Eines Tages fiel die Beamtin für zwei bis drei Wochen krankheitsbedingt aus. Ich nutzte dieses Zeitfenster sofort mit maximaler Konsequenz:

  • Ich kopierte meine gesamten Bewerbungsunterlagen und Zeugnisse handschriftlich Wort für Wort mehrfach ab.
  • Ich schickte fast täglich neue Briefe an die Schule der JVA Freiburg heraus, um absolut sicherzugehen, dass die Post durchging.

Die Strategie ging auf: Kurz bevor die Beamtin aus ihrem Krankenstand zurückkehrte, hielt ich die offizielle Aufnahmebestätigung der Freiburger Schule für den September inklusive des zweiwöchigen Mathe-Vorkurses in den Händen. Als die Beamtin zurückkam, triumphierte sie noch: „Das steht nicht in Ihrem Vollzugsplan – Sie gehen nirgendwohin!“ Und tatsächlich ließ Heimsheim den Abreisetag für den Vorkurs einfach verstreichen.

Was Heimsheim jedoch unterschätzt hatte: Durch meine verbindliche schriftliche Zusage stand ich in Freiburg bereits fest auf der Schülerliste. Als ich dort zum Kursbeginn nicht erschien, griff die Leitung der JVA Freiburg zum Telefon, rief in Heimsheim an und machte massiven Druck: „Wo bleibt der Gefangene Deutschmann?“ Da Heimsheim gegenüber einer anderen Justizvollzugsanstalt unmöglich begründen konnte, warum man einem bereits angenommenen Schüler rechtswidrig die Bildung verweigert, brach in Heimsheim Hektik aus. Binnen Minuten hieß es: „Deutschmann, Sachen packen – sofortige Blitzverlegung nach Freiburg!“

„David gegen Goliath gewinnt man nicht durch blinde Wut, sondern indem man die Gesetze des Systems besser studiert als diejenigen, die ihre Macht missbrauchen.“

Drei Lektionen für persönliche Durchsetzungskraft

  1. Niemals das erste „Nein“ eines Bürokraten akzeptieren: Viele Funktionsträger in Behörden, Konzernen oder Institutionen sagen aus Bequemlichkeit oder Machtgefühl reflexartig „Das geht nicht“. Entscheidend ist, immer selbst die rechtlichen oder vertraglichen Grundlagen zu prüfen.
  2. Das eigene Regelwerk des Systems als Hebel nutzen: Wer emotional schreit, verliert. Wer ruhig den exakten Paragrafen, die Klausel oder das Gesetz auf den Tisch legt, nimmt der Willkür jede Grundlage.
  3. Fakten schaffen, solange das Zeitfenster offen ist: Als die blockierende Beamtin zwei Wochen lang fehlte, schrieb ich nicht nur einen Brief, sondern kopierte meine Bewerbungen handschriftlich immer wieder, bis die Zusage aus Freiburg unumstößlich vorlag. Wenn sich eine Tür öffnet, muss man mit 100 Prozent Einsatz hindurchgehen.

Dein nächster Schritt

Stehst Du in Deinem Unternehmen oder Deinem Leben gerade vor einer scheinbar übermächtigen Wand aus Bürokratie, Widerstand oder Nörglern? Im P.E.R.L.S.-System entwickeln wir die strategische Klarheit und Eigenverantwortung, mit der Du Deine Ziele gegen jeden Widerstand durchsetzt.

Marco Deutschmann

Marco Deutschmann

Marco Deutschmann, Gründer des P.E.R.L.S.© Education Systems.
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