Schneller anhören spart Zeit. Vertont durch Vavene Vocalis (Marcos KI-Stimme)
0:00 0:00

Vom Nudelboxen-Falten im Kinderzimmer in die Top 10 der E-Sport-Welt

Über Jahrzehnte hinweg galten Videospiele in den Augen vieler Eltern und Pädagogen als reine Zeitverschwendung. Wer stundenlang vor dem Bildschirm saß, musste sich anhören, er vergeude seine Jugend mit nutzlosen Pixeln. Doch während sinnloses Konsumieren tatsächlich abstumpft, zeigen neurowissenschaftliche Untersuchungen – bis hin zu Studien aus dem Umfeld der Harvard-Universität – längst eine völlig andere Seite der Medaille: Wer sich schon als Kind durch komplexe, regelbasierte Strategiespiele kämpft, verdrahtet die eigenen Synapsen im Schlaf auf blitzschnelle Mustererkennung und mathematische Optimierung.

Als ich Jan Kaiser in meinem Format UNCUT die Frage stellte, warum er mit gerade einmal 28 Jahren über ein derart ungewöhnliches, interdisziplinäres Systemverständnis verfügt – vom KI-Engineering über Bilanzbuchhaltung bis hin zu komplexen Steuergesetzen –, antwortete er mir nicht mit einer betriebswirtschaftlichen Floskel. Er stellte mir stattdessen eine Gegenfrage: „Was waren früher deine Lieblings-Videospiele?“

Sofort waren wir mitten in einem Thema, das auch meine eigene Jugend geprägt hat: Während ich damals rasante Reaktionsspiele wie Unreal Tournament und die ersten Teile von Diablo liebte, begann Jans Laufbahn in der digitalen Welt unter ganz besonderen Vorzeichen. Als Sohn getrennter Eltern wuchs er bei seiner alleinerziehenden chinesischen Mutter auf, die sich – da ihre Abschlüsse in Deutschland nicht anerkannt wurden – mit einem eigenen kleinen Asien-Imbiss selbstständig durchschlagen musste. Während Jan abends vor dem Fernseher hunderte Box-to-Go-Nudelschachteln faltete, um seine Mutter vor der totalen Erschöpfung zu bewahren, war sein treuester Begleiter ein aufklappbarer Gameboy Advance.

Das Faszinierende daran: Jan spielte die erste Edition des Strategiespiels Pokémon komplett durch, noch bevor er überhaupt lesen konnte. Da die Spiele teilweise auf Englisch oder Chinesisch liefen, verstand er kein einziges Wort der Dialoge. Wie besiegt ein Vorschulkind ohne Lesekenntnisse die „Top Vier“ eines hochkomplexen Rollenspiels? Durch reines Trial-and-Error und gnadenlose Mustererkennung.

„Ein Pokémon hat immer vier Attacken. Ich konnte zwar nicht lesen, habe mir über die Wortlänge und die Reihenfolge der Knöpfe jedoch gemerkt, welche Taste welche Wirkung auslöst. Aus der Schlafforschung weiß man: Nachts verknüpfen sich die Neuronen neu, um genau diese Fähigkeit zu verstärken. Mein Gehirn hat extrem früh gelernt, aus etwas völlig Unbekanntem durch Ausprobieren und Mustererkennung einen Profit zu schlagen.“

Diablo Hardcore, Daytrading im Auktionshaus und das „Wardley-Schema“

Diese frühe neuronale Programmierung zog sich wie ein roter Faden durch Jans weitere Jugend. Mit siebzehn Jahren spielte er zwei Jahre lang auf höchstem Profi-Niveau Hearthstone. Parallel dazu nutzte er das Echtgeld-Auktionshaus von Diablo 3, um schon als Minderjähriger die Mechanismen von Angebot, Nachfrage und Daytrading in der Praxis zu trainieren und sich sein eigenes Taschengeld zu erwirtschaften.

Im dritten Semester seines Studiums stürmte er in Diablo 3 sogar in die Top 10 der Weltrangliste im Hardcore-Modus – jenem unerbittlichen Spielmodus, in dem ein einziger Tod des Charakters den endgültigen, unwiderruflichen Verlust von hunderten Spielstunden bedeutet. Um dort oben zu überleben, reicht blindes Klicken nicht aus. Man muss Abklingzeiten (Cooldowns), Schadensmultiplikatoren, Lebensabsaugung (Lifeleech) und Laufrouten mathematisch exakt aufeinander abstimmen.

Selbst das Ende seiner Hardcore-Karriere war eine Lektion fürs Leben: Sein Top-10-Charakter starb in einem hochstufigen Dungeon allein deshalb, weil ein Programmierfehler (Bug) seinen Schadensmultiplikator plötzlich um den Faktor 1.000 reduzierte – und ohne Schaden brach sofort die daran gekoppelte Selbstheilung zusammen. Obwohl der Spiele-Support den Fehler in den Server-Logs ausdrücklich bestätigte, gab es im gesamten System „by Design“ keinen einzigen Administrator, der die Berechtigung besaß, einen gefallenen Hardcore-Charakter wiederzubeleben. Eine härtere Schule für Resilienz und den Umgang mit unfairen Systemfehlern gibt es kaum.

Später übertrug Jan genau dieses algorithmische Denken in die reale Wirtschaft und die KI-Forschung. Im Gespräch stellte er mir dazu das Wardley-Schema (Wardley Mapping) vor – ein strategisches Projektmanagement-Framework, das weit über eine klassische Eisenhower-Matrix hinausgeht. Wenn ein Data Scientist – wie sie bei Netflix mit Jahresgehältern zwischen 300.000 und 900.000 Euro vergütet werden – vor einem Problem steht, für das noch überhaupt keine bekannte Lösung existiert, teilt er Aufgaben in vier Entwicklungsbahnen (Swimlanes) ein: Was lässt sich klassisch planen, was erfordert agile Iterationen und wo muss man mit einem festen Forschungsbudget (etwa 80.000 Euro für ein neues Belegscanner-Modell) drei bis fünf parallele Ansätze testen, Sackgassen rechtzeitig abbrechen und den besten Pfad skalieren?

Warum die „3-Jahres-Regel“ und der Fokus auf Basics über den Sieg entscheiden

Genau diese Kombination aus spielerischer Systemanalyse und eiserner Ausdauer macht den Unterschied im Unternehmertum (Entrepreneurship). Weil Jan gewohnt ist, die unsichtbaren Regeln eines Systems binnen kürzester Zeit zu dekonstruieren – ein Grund, weshalb er zu privaten Brettspielabenden kaum noch eingeladen wird, da er selbst unbekannte Spiele nach zwei Beobachtungsrunden beim ersten Mal gewinnt –, kann er sich in jede neue Branche binnen Tagen einarbeiten. Und weil er gleichzeitig ein glasklares Gefühl für gesunde Grenzen besitzt, zog er 2019 mit neunzehn Jahren auch im E-Sport konsequent den Stecker, als vierzehn Stunden tägliche Bildschirmzeit und die zunehmend manipulativen Sucht-Algorithmen moderner Mobile-Games nicht mehr mit seiner Gesundheit und seinen Werten vereinbar waren.

Heute gibt Jan seine Erfahrungen als Mentor im Young Founders Network an Gründer unter fünfundzwanzig Jahren weiter. Wenn ihn junge Talente nach dem geheimen Zaubertrick für geschäftlichen Erfolg fragen, gibt er ihnen eine Antwort, die exakt meiner eigenen Philosophie entspricht:

„Willst du ein Geheimrezept oder Magie hören? Das Schlauste, was ich dir sagen kann, lautet: Bleib doch einfach mal drei Jahre lang bei ein und derselben Sache! Wenn du nach drei Jahren voller Einsatz noch immer nicht erfolgreich bist, erst dann liegt es an dem, was du tust.“

Die meisten jungen Gründer werfen heute schon nach sechs Monaten die Flinte ins Korn, weil sie ein paar Absagen kassieren, und springen hektisch zum nächsten Trend. Doch der Markt belohnt Beständigkeit: Bei Jan kaufen heute B2B-Kunden ein, die er bereits 2022 kalt angesprochen hat und die nun schlicht sehen, dass seine Firma nach fünf Jahren immer noch stabil am Markt steht.

In meiner neu gegründeten Kampfsportschule Rio Chai Do – in der ich Elemente aus Taekwondo, Karate und Thaiboxen mit einem fairen Größen-Gewichts-Reglement verbinde – lebe ich mit meinen Schülern exakt dasselbe Prinzip: Während auf Social Media manche damit prahlen, in sechs Jahren zum Schwarzgurt zu sprinten (was in meiner traditionellen Ausbildung vor Jahrzehnten als Entehrung der Schule gegolten hätte, da unter zehn Jahren harter Arbeit kein Meistergrad denkbar war), trainieren wir Tag für Tag kompromisslos die Basics. Richtig stehen, saubere Hüftrotation, langsam und präzise kicken, bevor man überhaupt an Geschwindigkeit denkt. Ob im Kampfsport oder im Business: Wer die Grundlagen mit unerschütterlicher Disziplin meistert, schlägt jeden Blender.

Drei Lektionen aus dem Gamer-Mindset für die eigene Persönlichkeitsentwicklung

  1. Märkte und Gesetze als lernbare Spielregeln begreifen: Jede Branche, jedes Steuersystem und jeder Vertriebsprozess folgt einer internen Logik. Wer aufhört, über „komplizierte Umstände“ zu klagen, und stattdessen wie ein Strategiespieler die Regeln analysiert, findet immer den optimalen Hebel.
  2. Belohnungssysteme für produktive Gewohnheiten nutzen: Ein Gehirn, das darauf trainiert ist, durch tägliches Lernen, Sport, Schlaftracking und geschäftliche Meilensteine („Level-ups“) Dopamin auszuschütten, empfindet auch eine 80-Stunden-Woche nicht als Last, sondern als sinnstiftendes Wachstumsspiel.
  3. Drei Jahre Fokus auf die Basics statt hektischem Aktionismus: Kein Charakter erreicht Stufe 100 an einem Nachmittag. Wer sich für ein Geschäftsmodell entscheidet, drei Jahre lang jeden Komfortanspruch zurückstellt und Tag für Tag seine handwerklichen Grundlagen perfektioniert, wird am Markt unausweichlich erfolgreich.
Hintergrund im Fernsehen: Wie eiserne Disziplin und kontinuierliches Lernen den Weg aus extremen Lebenskrisen an die Universität und ins Unternehmertum ebnen, zeigte auch die SWR-Dokumentation über meine zweite Chance (auf der Presse-Seite abrufbar).

Dein nächster Schritt

Betrachtest Du Dein Business aktuell noch als kräftezehrenden Überlebenskampf – oder durchschaust Du die Mechaniken Deines Marktes bereits mit der Klarheit eines Großmeisters? Im P.E.R.L.S.-System verbinden wir genau diese strategische Mustererkennung mit kompromissloser Disziplin in der Umsetzung.

  • Sieh Dir das komplette Gespräch an: Wie Jan Kaiser sein E-Sport-Mindset in zwölf Unternehmensgründungen transformierte, erfährst Du im ausführlichen UNCUT-Podcast auf YouTube.
  • 1:1 Mentoring & Strategie: Lass uns Deine persönliche Leistungsfähigkeit und Deine Unternehmensstrategie auf Höchstform bringen – informiere Dich über meine Marco Deutschmann LTD., besuche meine Seminare oder buche Dein persönliches Gespräch auf der Mentoring-Seite.
Marco Deutschmann

Marco Deutschmann

Marco Deutschmann, Gründer des P.E.R.L.S.© Education Systems.
Executive Mentoring | Consulting | Keynotes