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Ein einziger Satz, der jede Beziehung und jedes Team erklärt

Als ich Badih Hamze in unserem UNCUT-Gespräch fragte, welcher Leitsatz sein Denken als Unternehmer, Kommunikator und Familienvater am stärksten geprägt hat, nannte er mir ein Prinzip, das er einst von einem früheren Geschäftspartner gelernt hatte – fünf schlichte Wörter, die eine enorme psychologische Sprengkraft besitzen:

„Der Standard ist der Standard. Alles, was du heute durch dein Handeln zum Standard machst, wird morgen zu der Grundlinie, an der dich dein Umfeld und dein eigenes Gehirn messen.“

Um zu verdeutlichen, wie gnadenlos dieser Mechanismus im menschlichen Gehirn arbeitet, zeichnete Badih ein einfaches Alltagsbild: Man stelle sich vor, man steht jeden Morgen auf und begrüßt seine Ehefrau oder sein Team im Büro hundert Tage lang gut gelaunt mit einem strahlenden „Guten Morgen!“. Alle freuen sich, die Stimmung ist bestens.

Am 101. Tag ist man im Kopf schon bei einem schwierigen Kundentermin und vergisst das „Guten Morgen“. Das Gegenüber schaut kurz irritiert. Am 102. Tag vergisst man es wieder; die Stimmung wird merklich kühler. Und am 103. Tag knallt es: „Sag mal, was ist eigentlich mit dir los?! Du sagst ja nicht einmal mehr Guten Morgen!“

In dieser Sekunde zählen die hundert positiven Tage zuvor im emotionalen Gedächtnis des Gegenübers buchstäblich null Komma null. Warum? Weil die hundert Wiederholungen das freundliche „Guten Morgen“ zur selbstverständlichen Nulllinie (zum Standard) gemacht haben. Jede Abweichung nach unten wird vom menschlichen Gehirn sofort als schmerzhafter Verlust und als Liebes- oder Respektentzug registriert.

Die Porsche-mit-25-Falle und das 46-Grad-Duschwasser

Noch gefährlicher wirkt dieses Gesetz der hedonistischen Adaptation – der Gewöhnung an hohe Standards – im eigenen Mindset und Lebensstil eines Unternehmers.

Badih brachte es im Podcast an zwei plastischen Beispielen auf den Punkt:

  • Vom Porsche zurück in den Golf: Wer es schafft, sich schon mit 25 Jahren einen Porsche 911 vor die Tür zu stellen, setzt seinen neurologischen Standard auf Sportwagen-Niveau. Gerät das Business mit 35 Jahren in eine Krise oder erfordert die Vernunft den Umstieg in einen soliden VW Golf, fühlt sich dieser völlig intakte Golf für das verwöhnte Gehirn wie eine bittere Demütigung an – während ein Nachbar, der seit Jahren ringsum nur Golf-Fahrer sieht, mit exakt demselben Auto rundum zufrieden ist. Genauso schmeckt demjenigen, der sich an teures Gourmet-Sushi und Kaviar als Alltagsstandard gewöhnt hat, das ehrliche Essen im kleinen Dorfrestaurant plötzlich fade.
  • Kenia-Lehmhäuser vs. deutsches Luxus-Meckern: Wie absurd hoch unser zivilisatorischer Standard in Mitteleuropa inzwischen liegt, spiegelte Badih an der Erzählung eines seiner eigenen Podcast-Gäste, der jedes Jahr für einen Monat nach Kenia reist, um dort beim Bau von Schulen, Brunnen und Unterkünften zu helfen. Dort draußen leben dreizehn bis vierzehn Menschen gemeinsam in einfachen Lehmhäusern – komplett ohne fließendes Wasser und ohne Strom. Für diese Menschen ist es ein Grund zur täglichen Freude, wenn am nächsten Tag frisches Trinkwasser da ist. Wir in Deutschland und der Schweiz hingegen meckern schon schlecht gelaunt herum, wenn das Duschwasser am Abend statt 50 Grad nur 46 Grad hat, wenn der Benzinpreis bei zwei Euro liegt (obwohl Fahrrad, Bus und Bahn vor der Tür stehen) oder wenn der Döner acht Euro kostet – obwohl man für diese acht Euro eine komplette, frisch zubereitete Mahlzeit aus Fleisch, Salat und Brot erhält, die einen den ganzen Nachmittag satt macht!

Wie man Standards als Leader positiv nutzt: Von der Büroküche bis zum Schulhof

Wer das Gesetz „Der Standard ist der Standard“ verstanden hat, hört auf, sich unbewusst zum Sklaven überzogener Erwartungen zu machen – und beginnt stattdessen, bewusst exzellente Standards in der eigenen Führung und im Umfeld zu setzen.

Im Gespräch mit Badih zeigten sich dafür drei herausragende Beispiele aus seiner täglichen Praxis der Unternehmensführung (Leadership):

  1. Qualitätsstandard durch das AOK-Modell und die Sandwich-Kommunikation: Wenn Badih ein Projekt wie seinen Podcast oder seine Agenturprozesse aufbaut, definiert er von Tag eins an einen hohen optischen und inhaltlichen Standard, unter den er niemals geht. Um seine Mitarbeiter dorthin zu entwickeln – ohne dass junge Talente wie in den bekannten Social-Media-Memes beim kleinsten Hinweis sofort mit „Ich kündige!“ reagieren –, verbindet er höfliche Wertschätzung (das Feedback-Sandwich: ehrliches Lob für die geleistete Arbeit, präziser Verbesserungshinweis wie „Hier bitte weniger Smileys und diese Formulierung anpassen“, gefolgt von einem motivierenden Ausblick) mit seinem strikten AOK-System: Analyse der Aufgabe, Organisation der Umsetzung und vor allem konsequente Kontrolle des Ergebnisses.
  2. Vom Postboten zum Konzernchef – und die Spülmaschine im Büro: Ein echter Leader verlangt von seinem Team nichts, wofür er sich selbst zu fein wäre. Badih betonte, dass ein Chef jeden Schritt im Unternehmen – von der Buchhaltung und Rechnungsstellung über die Stornierung und Reklamationsbearbeitung bis zur Kaltakquise – selbst beherrschen muss (wozu mir im Podcast sofort das Beispiel des früheren Mercedes-CEOs Dieter Zetsche einfiel, der sich von ganz unten durch den Konzern hochgearbeitet hatte und genau deshalb später glaubwürdig im Sneaker statt im steifen Anzug auftreten konnte). Badih selbst räumt in seinem Büro bis heute regelmäßig eigenhändig die Spülmaschine ein und aus – nicht nur, um zu zeigen, dass sich der Chef für keine Arbeit zu schade ist, sondern weil genau in diesen fünf Minuten in der Büroküche beim Kaffeemachen die wertvollsten persönlichen Gespräche mit den Mitarbeitern über deren Kinder und Familien entstehen.
  3. Das einmonatige „Guten Morgen“-Experiment an der Grundschule: Den schönsten Beweis dafür, wie man als Einzelner den Standard einer ganzen Gruppe drehen kann, lieferte Badih an der Schule seines Sohnes, der gerade in die erste Klasse gekommen war. Jeden Morgen beim Hinbringen sagte Badih zu allen entgegenkommenden Eltern und Kindern freundlich „Moin! Guten Morgen!“ – und niemand antwortete. Seine eigene Frau hielt ihn schon für verrückt: „Hör doch auf damit, die antworten dir nicht, das ist doch unangenehm!“ Doch Badih blieb stur: „Egal, ich ziehe das jetzt so lange durch, bis sie auch Guten Morgen sagen.“ Nach exakt einem Monat war der Widerstand gebrochen: Heute grüßen ihn sämtliche Mütter, Väter und Kinder schon von Weitem – selbst an Tagen, an denen Badih selbst einmal in Gedanken versunken ist!

Drei Lektionen für den strategischen Umgang mit Standards

  1. Erwartungen bei Kunden und im Privatleben bewusst steuern: Wer seinen Kunden angewöhnt, für ein 39-Euro-Einstiegspaket sonntags um 22 Uhr sofort auf WhatsApp zu antworten, macht diese Selbstausbeutung zum Standard. Verfügbarkeits-Standards (wie das abgeschaltete Arbeitshandy ab 19 Uhr) müssen so gesetzt werden, dass man sie über Jahre gesund durchhalten kann.
  2. Die eigenen Lebenshaltungs-Standards flexibel halten: Man darf den Erfolg genießen, sollte sein Lebensglück jedoch niemals daran binden, dass es jeden Tag Kaviar und 200 PS sein müssen. Wer auch mit einem guten Döner und einem Spaziergang mit dem Hund tief zufrieden sein kann, ist durch keine wirtschaftliche Schwankung erpressbar.
  3. Als Erster den kulturellen Standard im Raum anheben: Ob beim Ausräumen der Bürospülmaschine oder beim beharrlichen Grüßen auf dem Schulhof – Kultur verändert sich nicht durch Beschwerden über „die unfreundlichen anderen“, sondern durch einen Leader, der dreißig Tage lang stur mit gutem Beispiel vorangeht.
Medien-Echo: Wie meine Erfahrungen in extremen Grenzsituationen heute Führungskräften helfen, ihre persönlichen Standards und ihre Krisenfestigkeit neu zu justieren, analysierte unter anderem die Tageszeitung TAG24 unter dem Titel «Drogenkurier sitzt sieben Jahre im Knast und berät nun Führungskräfte» (abrufbar auf der Presse-Seite).

Dein nächster Schritt

Welche ungesunden Standards haben sich in Deinem Arbeitsalltag, Deiner Erreichbarkeit oder Deiner Teamkultur eingeschlichen – und welche neuen Maßstäbe willst Du ab morgen bewusst setzen? Im P.E.R.L.S.-System verankern wir nachhaltige Selbstführung und klare Führungsprinzipien.

  • Sieh Dir das gesamte Gespräch an: Die ungeschnittene UNCUT-Folge mit Badih Hamze findest Du hier auf YouTube.
  • 1:1 Mentoring & Leadership: Lass uns Deine Unternehmensstandards und Dein AOK-System gemeinsam schärfen – informiere Dich über meine Marco Deutschmann LTD., besuche meine Seminare oder buche Dein persönliches Gespräch auf der Mentoring-Seite.
Marco Deutschmann

Marco Deutschmann

Marco Deutschmann, Gründer des P.E.R.L.S.© Education Systems.
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