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Wenn der Monatsbeitrag wichtiger wird als das Rückgrat

In vielen kommerziellen Dienstleistungsbetrieben, Vereinen und Kampfsport-Akademien regiert im Hintergrund ein stilles Gesetz: Hauptsache, das Lastschriftmandat ist unterschrieben und der Monatsbeitrag fließt pünktlich. Auf der einen Seite wird schon beim ersten Kennenlernen abkassiert oder jeder aussortiert, der nicht ins glatte Hochglanz-Raster passt; auf der anderen Seite drückt man bei zahlungskräftigen Mitgliedern, die sich charakterlich danebenbenehmen und die Werte der Gemeinschaft mit Füßen treten, feige beide Augen zu, um keinen Umsatz zu verlieren.

Als ich im Trainingsring von Amir Sabics Sportschule saß und wir für meinen UNCUT-Podcast über die geschäftliche und ethische Führung einer Kampfsportschule sprachen, erlebte ich das exakte Gegenmodell zu dieser kurzfristigen Geldgier. Amir hat sich bewusst dafür entschieden, seine Schule trotz des enormen bürokratischen Papierkriegs als eingetragenen Verein (Taekwondo Sabic e.V.) zu führen – eine Rechtsform, die ihm in der Gesellschaft, bei Hallenbuchungen für eigene Turniere oder bei der jährlichen Einladung zum Bürgerfest in Esslingen tiefes institutionelles Vertrauen verschafft.

Doch das wahre Geheimnis seines Rufs liegt nicht in der Rechtsform, sondern in einer Werte-Architektur, die ich im Gespräch anhand dreier konkreter Praxissituationen mit ihm beleuchtete.

1. Großzügigkeit am Eingang: Kostenlose Probetrainings und gelebte Dankbarkeit

Da ich selbst viel auf Reisen bin und mir regelmäßig verschiedene Kampfsportschulen anschaue, erzählte ich Amir im Podcast von zwei haarsträubenden Erlebnissen, die mir selbst bei Probetrainings widerfahren sind:

  • In einer Akademie, die Muay Thai, K-1 und MMA anbot, verlangte man von mir allen Ernstes 30 Euro Gebühr für ein einziges Probetraining – woraufhin ich mich sofort umdrehte, weil dieser Geist nichts mit echtem Kampfsport zu tun hat.
  • In einer anderen Muay-Thai-Schule wies ich den Trainer als erfahrener Kampfsportler vorab fair darauf hin, dass ich aufgrund meiner langjährigen Gelenkverletzungen nicht mehr jede Sprung- und Hüpfübung mitmachen könne, ansonsten jedoch im eigenen Tempo voll mitziehe. Die kalte, herablassende Antwort des Trainers lautete: „Na ja, dann musst du dir halt überlegen, ob das überhaupt der richtige Sport für dich ist – ich kann mich schließlich nicht die ganze Zeit um dich kümmern, nur weil du anders bist.“

Als ich Amir fragte, wie er in seiner Schule mit solchen Fällen umgeht, zeigte sich seine ganze menschliche Größe:

  • Null Euro fürs Ausprobieren: Bei Amir kostet ein Probetraining niemals einen Cent – und zwar nicht nur für eine einzige Stunde! Wer zu ihm kommt, darf über mehrere Trainings hinweg in Ruhe Taekwondo, K-1 und MMA ausprobieren, ja sogar nach zwei Monaten Pause noch einmal wiederkommen und testen, bis er sich zu hundert Prozent sicher ist, bevor er einen Vertrag unterschreibt.
  • Inklusion statt Arroganz: Kommt ein Mensch mit körperlichen Einschränkungen oder Verletzungen zu ihm auf die Matte, ist er vom ersten Tag an herzlich willkommen. Amir stellt ihn behutsam in die hintere Reihe, lässt ihn genau das Tempo und die Pausen wählen, die der Körper zulässt, und geht während des Trainings immer wieder persönlich zu ihm hin, um ihn zu ermutigen.
  • Erinnerung an den Putzjob der eigenen Mutter: Noch berührender ist Amirs Preispolitik bei Familien. Wenn eine Mutter mit drei oder vier Kindern vor ihm steht und sich die vollen Beiträge kaum leisten kann, senkt Amir sofort von sich aus den Preis. Warum? Weil er niemals vergessen hat, woher er selbst kommt: Als er 1992 als bosnisches Kriegskind nach Deutschland kam, musste seine Mutter hart putzen gehen, um jeden Monat die 20 bis 25 D-Mark für sein damaliges Taekwondo-Training zusammenzukratzen. Für Amir steht fest: Kein Kind darf vor der Tür bleiben, nur weil das Geld zu Hause knapp ist.

2. Kompromisslose Härte beim Werteverrat: Der sofortige Rauswurf

So warmherzig, geduldig und großzügig Amir am Eingang seiner Schule ist, so unerbittlich und eiskalt greift er durch, wenn ein Schüler die wichtigste ethische Grenze des Kampfsports überschreitet.

Wer bei Amir Taekwondo, Boxen, K-1 oder MMA lernt, eignet sich gefährliche körperliche Waffen an. Diese Fähigkeiten dienen ausschließlich dem sportlichen Wettkampf auf Turnieren und der reinen Notwehr im äußersten Ernstfall. Sobald Amir jedoch zu Ohren kommt, dass einer seiner Schüler das Gelernte draußen auf der Straße missbraucht, um Schwächere einzuschüchtern oder Schlägereien anzuzetteln, fällt das Fallbeil ohne jede Vorwarnung:

„Wenn Schüler bei mir Kampfsport lernen und dann draußen auf der Straße Gewalt anwenden und sich prügeln, sind sie sofort draußen. Da gibt es keine Diskussion, egal wer das ist. Ich stelle denjenigen sofort zur Rede und sage: ‚Mich interessiert dein Monatsbeitrag überhaupt nicht – du kannst gehen!‘“

Warum dieser Rausschmiss das beste Marketing der Welt ist

Amir berichtete im Gespräch, dass er genau solche Kandidaten bereits mehrfach eigenhändig vor die Tür gesetzt hat. Und jedes Mal passierte danach in der Stadt und unter den Eltern exakt dasselbe: Der Rausschmiss sprach sich wie ein Lauffeuer herum.

Wenn andere Schüler oder Eltern verwundert fragten „Wieso hast du den rausgeworfen?“, erklärte Amir ruhig seinen Grundsatz: „Im Ring darfst du dich beweisen – auf der Straße niemals.“

Aus Sicht der Unternehmensführung (Leadership) und Positionierung ist diese Konsequenz unbezahlbar. Jedes Mal, wenn ein Unternehmer oder Vereinsleiter auf den monatlichen Beitrag eines toxischen Schlägers verzichtet, sendet er ein kraftvolles Signal der Sicherheit und Werte-Integrität an hundert anständige Familien. Eltern bringen ihre Kinder genau deshalb zu Amir, weil sie zu hundert Prozent wissen, dass ihr Kind dort nicht unter Straßenschläger gerät, sondern Charakter, Disziplin und Selbstbeherrschung lernt.

Drei Lektionen für wertebasierte Unternehmensführung

  1. Vertrauen am Eingang, Konsequenz im Haus: Wer Neukunden schon beim ersten Schnuppern mit Kleinlichkeit und Gebühren abschreckt oder Menschen mit Einschränkungen arrogant abweist, zerstört jede Beziehung im Keim. Wer hingegen am Anfang großzügig in Vertrauen investiert, gewinnt loyale Mitglieder über Jahrzehnte.
  2. Die eigenen Wurzeln niemals vergessen: Erfolg darf niemals blind machen für jene Menschen, die heute dort stehen, wo man selbst einst angefangen hat. Wer wie Amir an die 25 D-Mark seiner putzenden Mutter zurückdenkt, führt sein Geschäft mit echter Demut und sozialer Verantwortung.
  3. Toxischen Kunden sofort kündigen: Ein einziger Kunde oder Mitarbeiter, der die Kernwerte einer Organisation mit Füßen tritt, vergiftet das gesamte Umfeld. Der Mut, auf schmutzigen oder wertewidrigen Umsatz sofort zu verzichten, schützt das wertvollste Kapital jedes Unternehmens: den unantastbaren Ruf.
Aus der Kampfsport-Praxis: Wie aus traditionellen Kampfkünsten wie Taekwondo und Karate eine moderne, gesundheits- und werteorientierte Disziplin entsteht, beschreibt auch der Bericht über meine eigene Neugründung «Ryū Chai Dō» auf stgallen24.ch (abrufbar auf der Presse-Seite).

Dein nächster Schritt

Duldest Du in Deinem Unternehmen, Deinem Team oder Deinem Kundenstamm aktuell noch Menschen, die Deine Werte mit Füßen treten – nur weil Du den kurzfristigen Umsatzverlust scheust? Im P.E.R.L.S.-System verankern wir glasklare ethische Leitplanken, die Deine Marke unangreifbar machen.

  • Sieh Dir das gesamte Gespräch an: Die ungeschnittene UNCUT-Folge mit Amir Sabic findest Du hier auf YouTube.
  • 1:1 Mentoring & Positionierung: Lass uns Deine Unternehmenswerte und Führungsprinzipien schärfen – informiere Dich über meine Marco Deutschmann LTD., besuche meine Seminare oder buche Dein persönliches Gespräch auf der Mentoring-Seite.
Marco Deutschmann

Marco Deutschmann

Marco Deutschmann, Gründer des P.E.R.L.S.© Education Systems.
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