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Das goldene Gefängnis der Bequemlichkeit

Warum bleiben so viele intelligente Menschen jahrelang in einem Job, einer Geschäftsstruktur oder einer Lebenssituation stecken, die sie innerlich überhaupt nicht erfüllt? Die Antwort ist fast immer dieselbe: Weil die aktuelle Situation gerade bequem genug ist. Man hat sich eingerichtet, kennt die Abläufe, genießt gewisse Privilegien – und scheut den schmerzhaften Schritt zurück auf Los, den ein echter Neuanfang verlangen würde.

Genau vor dieser Strategie-Entscheidung zwischen Komfort und Wachstum stand ich im Jahr 2010. In der modernen JVA Heimsheim hatte ich mir nach Monaten harter Arbeit im Gefängnisalltag einen Status erarbeitet, der hinter Gittern wie „First Class“ wirkte: Als Spitzenkraft in der kalten Küche wohnte ich nicht im regulären Zellenbau, sondern in einem abgetrennten Gebäude. Meine Zelle war ein umgebautes, rund 16 Quadratmeter großes Büro mit normalen Fenstern. Die Bürotüren standen offen, es gab eine jederzeit zugängliche Dusche, einen 30 Quadratmeter großen Aufenthaltsraum mit Fernseher und Tischkicker sowie ein Telefon auf dem Flur, das rund um die Uhr genutzt werden konnte. Dazu hatte ich vollen Zugriff auf bestes Essen.

Es wäre ein Leichtes gewesen, die restlichen Jahre der Haft in dieser warmen Nische komfortabel abzusitzen. Doch ich wusste: Wenn ich Heimsheim eines Tages verlasse, habe ich zwar angenehm gelebt, stehe draußen jedoch weiterhin nur mit einem Hauptschulabschluss da.

Der bewusste Abstieg in die „Third Class“

In ganz Deutschland gab es zu diesem Zeitpunkt ein einziges Langzeitgefängnis, das eine vollwertige schulische Laufbahn bis zur allgemeinen Hochschulreife (Berufsoberschule/BOS) sowie ein Universitätsstudium über die FernUniversität in Hagen anbot: die JVA Freiburg.

Als ich nach monatelangem Kampf gegen bürokratische Widerstände endlich nach Freiburg verlegt wurde, erlebte ich beim Betreten der Anstalt einen physischen Kulturschock. Ich tauschte meinen modernen Heimsheimer Büro-Wohnbereich gegen ein fünfgliedriges, sternförmiges Gemäuer aus dem 19. Jahrhundert, in dessen Keller noch eine historische Guillotine als Museumsrelikt stand.

Die Rahmenbedingungen in Freiburg waren rau:

  • Die Architektur: Fünf Meter hohe, abgenutzte Zellen mit Rundbogen, in denen die Fenster erst auf zwei Metern Höhe begannen – um überhaupt einen Blick nach draußen zu erhaschen, musste ich mich auf die Heizung stellen. Die Toilette im Raum war lediglich durch einen spärlichen Vorhang abgetrennt.
  • Das Umfeld: Da Freiburg eine Langzeitanstalt für Haftstrafen ab fünf Jahren bis hin zu Lebenslänglich und Sicherungsverwahrung (SV) war, traf ich dort auf ein extrem schwieriges Klientel: Schwerkriminelle, ein kroatischer Ex-General, der wegen Völkermords verurteilt worden war, Serienmörder und psychisch schwer gezeichnete Langzeitinsassen, die nach sogenannten „Betonspritzen“ (starken Psychopharmaka-Injektionen bei Tobsuchtsanfällen) nur noch apathisch vor sich hin grinsten.
  • Die Infrastruktur: Auf einem Stockwerk mit bis zu 25 Gefangenen gab es eine einzige Dusche mit vier Plätzen; selbst Kugelschreiber wurden in der Schule nur im Eins-zu-eins-Austausch ausgegeben, weil Häftlinge sonst aus der Tinte, Zigarettenasche und dem Motor eines Kassettenrekorders illegale Tätowiermaschinen bauten.

Lebensqualität: ein Absturz von der ersten in die dritte Klasse. Entwicklungspotenzial: unbezahlbar.

Der Schock im Mathe-Vorkurs – und die Millionen-Logik

Voller Euphorie setzte ich mich in Freiburg um 7:15 Uhr morgens in den zweiwöchigen Vorbereitungskurs für die Berufsoberschule. Zehn Jahre lang hatte ich kein Klassenzimmer mehr von innen gesehen; in Frankreich hatte ich mir lediglich einfache Gleichungen selbst beigebracht. Am zweiten Tag des Vorkurses traf mich die Realität mit voller Wucht: Auf der Tafel standen komplexe Formeln der höheren Mathematik und Physik, gerechnet wurde fast nur noch mit Buchstaben und Variablen, von denen ich noch nie im Leben gehört hatte.

Für einen kurzen Moment tauchte der Gedanke auf: Das ist zu hoch für mich. Ich habe keine Chance. Doch noch am selben Nachmittag zerlegte ich diesen Zweifel mit glasklarer Logik:

„Ich habe mich gefragt: Wie viele Millionen Menschen in Deutschland haben bisher das Abitur geschafft? Unglaublich viele! Und wenn Millionen Menschen diese Prüfung bestanden haben, dann kann es logischerweise kein Hexenwerk sein – man muss nur das System hinter den Formeln verstehen.“

Anstatt zu resignieren, handelte ich wie ein fokussierter Unternehmer in eigener Sache:

  1. Experten-Netzwerk aktivieren: Ich suchte mir im Gefängnis gezielt die klügsten Köpfe unter den Mitgefangenen – einen inhaftierten Doktoranden sowie einen Mitgefangenen namens Peter („Momo“), der brillant in Physik und Mathematik war – und ließ mir von ihnen Schritt für Schritt die Herleitung der Formeln erklären, bis aus Frust echte Begeisterung für Mathematik wurde.
  2. Stoischer Wochenplan: Ich erstellte mir einen minutengenauen Lern- und Arbeitsplan. Jedes Schulfach hatte feste Zeitblöcke; selbst private Briefe an meine Familie und Freunde beantwortete ich strikt gebündelt nur am Samstag oder Sonntag, um unter der Woche keine einzige Lernstunde zu verlieren.
  3. Standort-Optimierung innerhalb des Systems: Neben der Schule übernahm ich den Posten des Essensholers (wodurch meine Zellentür über Mittag offen blieb und meine Ernährung gesichert war) und ließ mich später gezielt auf den Flügel 2-3 verlegen, auf dem auch Sicherungsverwahrte untergebracht waren – weil es dort einen geschlossenen Boden gegen den Gefängnislärm und eine eigene Stockwerksküche gab, in der ich am Wochenende frische Pizza, Käsekuchen und mit meinem Nachbarn Cemil türkisches Börek und Baklava backen konnte.

Das Ergebnis dieser radikalen Entscheidung gegen die Bequemlichkeit: Ich schloss die Berufsoberschule in der JVA Freiburg als Klassenbester mit einem Schnitt von 1,5 ab und legte damit den Grundstein für mein anschließendes Informatikstudium.

Drei Impulse für eine konsequente Wachstumsstrategie

  1. Bequemlichkeit niemals mit Erfolg verwechseln: Wer an seinem aktuellen Standort der Beste ist und alles mühelos erledigt (wie damals in der Heimsheimer Küche), ist im falschen Raum. Echter Aufstieg verlangt die Bereitschaft, im nächsten Raum wieder als Anfänger zu starten.
  2. Scheinbar unlösbare Aufgaben entzaubern: Wann immer ein Unternehmer oder eine Führungskraft vor einer neuen Qualifikation, einer neuen Technologie oder einem neuen Markt steht, hilft die Abitur-Logik: Wenn andere Menschen das zuvor gelernt haben, lässt es sich mit System, Disziplin und den richtigen Mentoren ebenfalls meistern.
  3. Sofort die besten Lehrer holen: Falscher Stolz kostet Jahre. Wer nicht versteht, wie eine Formel – im Studium oder im Business – funktioniert, fragt sofort jemanden, der sie bereits beherrscht.

Dein nächster Schritt

Hältst Du in Deinem Leben oder Deinem Unternehmen noch an einer komfortablen „First-Class-Zelle“ fest, die Dein wahres Wachstum blockiert? Mit der P.E.R.L.S.-Methode durchbrechen wir genau diese Komfortgrenzen.

  • Sieh Dir die Original-Episode an: Hier geht es direkt zu Tag 8 (JVA Freiburg) auf YouTube sowie zu weiteren TV- und Pressebeiträgen auf meiner Presseseite.
  • 1:1 Mentoring & Seminare: Wenn Du bereit bist, für Dein nächstes Level die Komfortzone zu verlassen, buche jetzt Dein Gespräch auf der Mentoring-Seite oder sichere Dir Deinen Platz bei den Seminaren.
Marco Deutschmann

Marco Deutschmann

Marco Deutschmann, Gründer des P.E.R.L.S.© Education Systems.
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