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Wenn Kinder beim Reinkommen nicht einmal mehr „Hallo“ sagen können

Wer heute mit offenen Augen ein Restaurant betritt oder Jugendliche im Alltag beobachtet, sieht oft ein trauriges Bild: Drei oder vier junge Menschen sitzen gemeinsam an einem Tisch, doch keiner spricht ein Wort mit dem anderen – jeder starrt gebannt auf sein eigenes Smartphone.Noch drastischer zeigt sich diese Entwicklung dort, wo Konzentration, Körpergefühl und soziales Miteinander gefragt sind.

Als ich meinen langjährigen Trainingsgefährten Amir Sabic in seiner Kampfsportschule für unseren UNCUT-Podcast besuchte, sprach er mit großer Leidenschaft – und spürbarer Sorge – über den Zustand vieler heutiger Kinder und Jugendlicher. Wenn neue Schüler zum ersten Mal seine Trainingshalle betreten, laufen sie oft mit dem Handy in der Hand herein und schaffen es auf eine direkte Frage hin kaum noch, ihrem Gegenüber in die Augen zu schauen und anständig „Hallo“ zu sagen. Zu Hause erzählen manche ihren Eltern, sie müssten dringend für die Schule lernen, schließen sich im Kinderzimmer ein – und fünfzehn Minuten später sieht man sie live auf TikTok herumalbern.

Für Amir, der selbst einer „Oldschool“-Generation entstammt, die noch gelbe Telefonzellen und barfüßiges Training auf hartem Hallenboden bis zu blutigen Fußblasen kannte, ist klar: Die digitale Dauerberieselung raubt jungen Menschen die Konzentrationsfähigkeit und den Respekt – wenn Erwachsene nicht aktiv gegensteuern.

Eine Stunde ohne Smartphone und ohne Eltern-Einmischung

Wie führt man junge Menschen, die mit dem Smartphone in der Hand aufgewachsen sind, zurück zu echtem Fokus und Disziplin? In Amirs Verein Taekwondo Sabic e.V. – den er 2007 in Aichwald mit gerade einmal vier Schülern gründete und auf über 200 aktive Mitglieder ausbaute – gelten ab der Türschwelle glasklare, unverhandelbare Spielregeln:

  1. Das Smartphone bleibt draußen: Sobald die ein- bis zweistündige Trainingszeit beginnt, wird jedes Handy einkassiert oder lautlos weggepackt. Kein kurzes Draufschauen in der Pause, kein Gebimmel am Mattenrand. Was der Jugendliche nach dem Training draußen macht, liegt in seiner Verantwortung – doch auf der Matte gilt hundertprozentige Präsenz.
  2. Klare Kommandogewalt ab dem Verbeugen: Vor dem Training darf gelacht und geredet werden. Doch in der Sekunde, in der Amir auf die Matte tritt und das traditionelle koreanische Kommando zur Aufstellung und Verbeugung gibt („Charyeot, Kyeongnye!“), herrscht absolute Ruhe – fast wie bei der Bundeswehr.
  3. Auch die Eltern geben die Führung am Mattenrand ab: Eltern sind herzlich eingeladen, beim Training zuzuschauen. Doch während dieser sechzig Minuten mischt sich kein Vater und keine Mutter von außen ein – weder mit „Das ist zu hart für mein Kind“ noch mit eigenen Zurufen. Auf der Matte führt allein der Meister.
„Sobald ich das Kommando zur Verbeugung gebe, ist Schluss mit lustig – dann haben weder die Kinder noch die Eltern dazwischenzureden. Denn wenn auf der Matte jeder machen würde, was er will, hätten wir das totale Chaos. In dieser einen Stunde ziehen wir komplett durch.“

Die Evolution eines Leaders: Von militärischer Härte zu leistungsorientierter Beteiligung

Besonders spannend fand ich in unserem Gespräch, wie ehrlich Amir reflektierte, wie sich sein eigener Führungsstil über die Jahrzehnte weiterentwickelt hat.

Als wir früher selbst unter der alten Garde – wie ich in meiner Jugend in der Sportschule meines Taekwondo-Meisters Yüksel Özbay in Esslingen am Neckar – trainierten, herrschte ein eiserner, fast militärischer Drill: Während des gesamten Trainings gab es keinen einzigen Tropfen Wasser zu trinken, und wer in einer freien Fitnessanlage einfach aufhört, sobald die Kraft nachlässt, wurde im Dojo gnadenlos weitergetrieben. Auch heute lässt Amir niemanden faulenzen; wer stehen bleibt, wird sofort angespornt, weiterzumachen.

Doch in einem entscheidenden Punkt hat Amir die alte Strenge modernisiert – und damit ein brillantes pädagogisches Anreizsystem geschaffen: die leistungsabhängige Wasserpause. Statt das Trinken pauschal zu verbieten, koppelt er die Pause nach zwanzig Minuten direkt an den Einsatz der Gruppe:

  • Zieht die Mannschaft voll mit und bringt eine starke Trainingsleistung, gibt es nach zwanzig Minuten eine kurze Trinkpause zum Durchatmen.
  • Lässt die Gruppe jedoch die Köpfe hängen und trainiert halbherzig, fällt die Wasserpause aus.

Als ich ihm zuhörte, erkannte ich sofort die psychologische Eleganz dieses Prinzips für moderne Leadership: Es ist nicht mehr die starre Diktatur von früher, jedoch auch keine zahnlose Kuschelpädagogik. Der Leader setzt einen klaren Rahmen, und das Team hat es durch seine eigene Leistung selbst in der Hand, sich Erleichterungen zu verdienen.

Warum Wohlwollen und klare Ziele Generationen verbinden

Hinter Amirs strenger Kommandostimme steckt ein riesiges Herz und ein tiefes Wohlwollen für jeden einzelnen Schüler. Er verurteilt niemanden, der mit Übergewicht, körperlichen Einschränkungen oder Angst zu ihm kommt. Wenn ein Kind vor seinem ersten Formen- (Poomsae-) oder Vollkontakt-Turnier noch Angst hat, zwingt er es nicht blind in den Ring (während er bei seinem eigenen, topfitten Sohn, der die Schule eines Tages übernehmen soll, keine Ausreden beim Wettkampf duldet), sondern nimmt die ängstlichen Anfänger sanft an die Hand, spricht eng mit den Eltern und lässt ihnen ein bis zwei Jahre Zeit, bis sie von selbst sagen: „Amir, jetzt will ich es im Turnier probieren!“ Aktuell bereitet er allein zwölf Taekwondo-Anfänger und sechs K-1-Kämpfer auf ihre nächsten Turniere vor.

Der Schlüssel, den er jedem Jugendlichen einpflanzt, ist eine klare Zielleiter:

  • Wer nur „just for fun“ ohne Ziel ins Training schlappt, hört nach wenigen Wochen wieder auf.
  • Wer jedoch als Fünf- oder Sechsjähriger mit dem weißen Gürtel vor Amir steht und gefragt wird: „Willst du den gelben Gürtel schaffen? Willst du Grün, Blau und eines Tages den schwarzen Gürtel tragen und selbst Trainer werden?“, der bekommt ein leuchtendes Ziel im Kopf.

Der schönste Beweis für die Kraft dieser werteorientierten Führung sitzt heute in Amirs Anfängertraining: Es sind die Kinder seiner eigenen früheren Schüler! Junge Männer, die vor fünfzehn oder zwanzig Jahren selbst bei Amir auf der Matte geschwitzt haben und mit ihm zu Turnieren gefahren sind, kommen heute als stolze Väter von zwei oder drei Kindern zurück in seine Halle und sagen zu ihren Kleinen: „Hier habe ich gelernt, was Respekt und Durchhaltevermögen bedeuten – und genau hier machst du jetzt weiter.“

Drei Lektionen für die Führung der jungen Generation

  1. Störungsfreie Fokus-Inseln schaffen: In einer Welt permanenter digitaler Ablenkung ist es die Pflicht jeder Führungskraft und jedes Ausbilders, klare Zeiten und Räume zu definieren, in denen das Smartphone tabu ist und hundertprozentige Aufmerksamkeit gilt.
  2. Klare Autorität mit echtem Wohlwollen verbinden: Junge Menschen rebellieren gegen unfaire Willkür, sehnen sich jedoch tief im Inneren nach verlässlichen Leitplanken und einem Mentor, der an ihr Potenzial glaubt und sie nicht aufgibt, wenn es anstrengend wird.
  3. Keine Entwicklung ohne Etappenziele: Vom Weißgurt über den Gelbgurt bis zum Schwarzgurt – Menschen brauchen sichtbare Meilensteine, für die es sich lohnt, die Komfortzone zu verlassen.
Aus der Kampfsport-Praxis: Wie aus traditionellen Kampfkünsten wie Taekwondo und Karate eine moderne, gesundheits- und werteorientierte Disziplin entsteht, beschreibt auch der Bericht über meine Neugründung «Ryū Chai Dō» auf stgallen24.ch (abrufbar auf der Presse-Seite).

Dein nächster Schritt

Fragst Du Dich als Unternehmer, Ausbilder oder Führungskraft, wie Du junge Talente in einer abgelenkten Welt wieder für echte Leistung, Werte und Verbindlichkeit begeisterst? Im P.E.R.L.S.-System verbinden wir klare Führungsstrukturen mit menschlicher Größe.

  • Sieh Dir das komplette Gespräch an: Die ungeschnittene UNCUT-Folge mit Amir Sabic findest Du hier auf YouTube.
  • 1:1 Mentoring & Leadership: Lass uns Deine Führungskultur so schärfen, dass Dein Team mit Stolz und Disziplin durchzieht – informiere Dich über meine Marco Deutschmann LTD., besuche meine Seminare oder buche Dein persönliches Gespräch auf der Mentoring-Seite.
Marco Deutschmann

Marco Deutschmann

Marco Deutschmann, Gründer des P.E.R.L.S.© Education Systems.
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