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Der schleichende Tod durch den Funktionärs-Modus

Es gibt im Leben erfolgreicher Sportler, Handwerker und Unternehmer einen gefährlichen Moment: den Tag, an dem man beschließt, „erfahren genug“ zu sein, und sich nur noch auf seinen Lorbeeren ausruht. Ab vierzig Jahren wechseln die meisten Menschen innerlich vom aktiven Kämpfer in den bequemen Verwalter- und Kommentatoren-Modus. Man steht mit verschränkten Armen am Rand, erzählt der Jugend verklärte Heldengeschichten von früher – und meidet jede Situation, in der man selbst noch einmal ins Schwitzen kommen oder gar verlieren könnte.

Als ich meinen langjährigen Weggefährten Amir Sabic in seiner Kampfsportschule für unseren UNCUT-Podcast besuchte, spürte ich schon in der ersten Minute: Dieser Mann denkt mit 44 Jahren und nach über zweiunddreißig Jahren Kampfsport nicht im Traum daran, in den Ruhestand der Komfortzone abzutreten.

Während selbst seine frühere aktive Zeit um die Jahrtausendwende – als er im Jahr 2007 seine eigene Schule in Aichwald eröffnete und parallel noch selbst aktiv auf Turnieren kämpfte, wo er vor den Augen seiner eigenen Schüler erst recht gewinnen musste – für die meisten längst Geschichte wäre, brennt in Amir noch immer dasselbe unbändige Feuer wie auf unserer ersten gemeinsamen Turnierfahrt vor Jahrzehnten.

Das Geheimnis der 80 Prozent: Warum Taekwondo-Kämpfer im K-1 jeden überraschen

Im Gespräch analysierten wir zunächst aus fachlicher Sicht, warum Amir über all die Jahre hinweg eine so außergewöhnliche Kampfkraft entwickelt hat – und warum er heute jedem Kämpfer in seiner Schule, der eigentlich nur K-1 oder MMA trainieren will, dringend ans Herz legt, parallel die traditionelle Taekwondo-Schule zu durchlaufen.

Als Amir nach Jahren im Taekwondo zusätzlich drei Jahre lang klassisches Boxen trainierte, erkannte sein Boxtrainer sofort sein außergewöhnliches Bewegungstalent und schickte ihn direkt weiter in den K-1-Vollkontakt (wo im Gegensatz zum Leichtkontakt mit voller Härte inklusive Kniestößen gekämpft wird). Im K-1-Ring erlebte Amir einen massiven strategischen Wettbewerbsvorteil:

  1. 80 Prozent Beinarbeit statt reiner Faust-Routine: Neunzig Prozent aller klassischen Kickboxer und K-1-Kämpfer stehen mit hochgezogener Doppeldeckung da, schlagen Jab-Cross-Kombinationen und setzen einen berechenbaren Lowkick hinterher. Ein echter Taekwondo-Kämpfer hingegen arbeitet zu achtzig Prozent mit explosiven, unberechenbaren Fußtechniken: Wenn Amir plötzlich einen Dwit-Chagi (den rückwärts geschlagenen „Eseltritt“) oder einen Pandae-Dollyo-Chagi (den eingesprungenen Drehkick zum Kopf) abfeuerte, wussten die K-1-Kontrahenten oft gar nicht, aus welchem Winkel es bei ihnen einschlug.
  2. Beidseitige Dominanz ohne schwache Seite: Wie ich im Podcast ergänzte, lehrt fast jede andere Kampfsportart eine feste Grundstellung (meist die Linksauslage, oder als Linkshänder die Rechtsauslage/Southpaw). Im klassischen Taekwondo hingegen existiert diese Einseitigkeit überhaupt nicht: Jedes Bein und jede Hüfte muss links wie rechts exakt gleich stark, gleich schnell und aus der offenen wie geschlossenen Stellung sofort angriffsbereit sein. Der Gegner kann niemals lesen, welcher Fuß als Nächstes fliegt.

Warum Amir den „E-Socken“ den Rücken kehrte – und mit 44 im ITF-Ring für Aufsehen sorgte

Wer wie Amir und ich aus der alten Schule des Vollkontakt-Taekwondo stammt – aus jener Ära, in der anfangs noch ohne Schutzwesten und später mit harten Treffern gekämpft wurde, bei denen ein einziger sauberer Kopftreffer das sofortige K. o. bedeutete –, tut sich mit der modernen Versportlichung schwer. Als zwischen 2002 und 2004 die ersten elektronischen Schutzwesten und später die sogenannten „E-Socken“ (Fußschützer mit eingebautem Chip, die bei bloßer Berührung der elektronischen Weste piepsen) eingeführt wurden, bestritt Amir noch genau einen einzigen Testkampf: Er traf seinen Gegner so hart, dass dieser kaum noch stehen konnte – doch auf der elektronischen Anzeigetafel stand weiterhin 0 : 0, weil der Sensor den Winkel nicht registriert hatte. Obwohl Amir diesen Kampf gewann, hängte er seine klassische WTF-Turnierkarriere an diesem Tag an den Nagel, weil dieses Punkte-Tippen nichts mehr mit seinem Verständnis von echtem Kampf zu tun hatte.

Doch das Feuer in ihm erlosch dadurch keineswegs. Erst im vergangenen Jahr – mit über 40 Jahren! – packte ihn die Neugier auf ein völlig neues Experiment: Er meldete sich kurzerhand als Schwergewichtler bei einem Turnier des ITF-Taekwondo-Verbandes an, dessen Regelwerk er zuvor in seinem ganzen Leben noch nie gekämpft hatte.

Als er mir damals die Videos dieses Kampfes auf mein Smartphone schickte, traute ich meinen Augen kaum – und wir mussten im Podcast beide herzlich darüber lachen:

„Ich bin mit meiner gewohnten Vollkontakt-Härte in den Kampf gegangen – und habe vom Kampfrichter permanent Anschiss kassiert, weil ich ‚zu aggressiv‘ sei! Eine normale Runde dauert zwei bis drei Minuten; meine erste Runde dauerte gefühlt zehn Minuten, weil der Referee jede halbe Minute unterbrechen musste.“

Wie absurd und gleichzeitig bewundernswert ist diese Szene: Ein 44-jähriger Familienvater und gestandener Schulinhaber steigt gegen jüngere Kontrahenten in einen fremden Ring und muss vom Schiedsrichter gebremst werden, weil er mit zu viel Vorwärtsdrang und Schlagkraft marschiert!

Und warum tut Amir sich das mit 44 Jahren noch an? Seine Antwort im Interview ging direkt unter die Haut:

„Mich reizt einfach der Kampf! Ich bin 44 und würde jederzeit wieder auf ein Taekwondo- oder K-1-Turnier gehen. Mir ist völlig egal, ob ich dort gewinne oder verliere – ich will mich spüren, ich will mich testen, und ich mache das auch als Vorbild für meinen Sohn.“

Drei Lektionen für lebenslangen Hunger und Vorbildwirkung

  1. Erfahrung darf niemals zur Ausrede für Bequemlichkeit werden: Wer sich im Business oder im Sport nur noch auf seinen Erfolgen von vor fünfzehn Jahren ausruht, beginnt innerlich zu rosten. Erst wenn man bereit ist, sich auch als gestandener Meister immer wieder als Anfänger in unbekanntes Terrain zu wagen, bleibt der Geist messerscharf.
  2. Ein tiefes Fundament mit neuen Disziplinen kombinieren: Genau wie Amirs beidseitige Taekwondo-Beinarbeit ihm im K-1-Ring einen unfairen Vorteil gegenüber eindimensionalen Boxern verschaffte, entsteht auch im Unternehmertum wahre Überlegenheit dort, wo man eine von Grund auf gemeisterte Kerndisziplin in ein neues Marktumfeld überträgt.
  3. Kinder hören nicht auf Worte – sie kopieren das Feuer der Eltern: Amir muss seinem Sohn keine theoretischen Vorträge über Mut halten. Wenn der Sohn am Ring steht und mit eigenen Augen sieht, wie sein 44-jähriger Vater mit vollem Herzen in den Wettkampf steigt, brennt sich dieses Vorbild für immer in die DNA der nächsten Generation ein.
Aus der Kampfsport-Praxis: Wie aus traditionellen Kampfkünsten wie Taekwondo und Karate eine moderne, gesundheits- und werteorientierte Disziplin entsteht, beschreibt auch der Bericht über meine eigene Neugründung «Ryū Chai Dō» auf stgallen24.ch (abrufbar auf der Presse-Seite).

Dein nächster Schritt

Hast Du Dich mit Deiner bisherigen Erfahrung schon bequem an der Seitenlinie eingerichtet – oder spürst Du noch den Hunger, Dich selbst herauszufordern und neue Ringe zu betreten? Im P.E.R.L.S.-System entfachen wir genau diese Kombination aus reifer Strategie, Selbstführung und unbändigem Vorwärtsdrang.

  • Sieh Dir das gesamte Gespräch an: Die ungeschnittene UNCUT-Folge mit Amir Sabic direkt aus dem Trainingsring findest Du hier auf YouTube.
  • 1:1 Mentoring & Strategie: Lass uns Dein nächstes großes Wachstumsziel definieren und mit voller Kraft angehen – informiere Dich über meine Marco Deutschmann LTD., besuche meine Seminare oder buche Dein persönliches Gespräch auf der Mentoring-Seite.
Marco Deutschmann

Marco Deutschmann

Marco Deutschmann, Gründer des P.E.R.L.S.© Education Systems.
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