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Die Wartelisten-Mentalität: Wenn Menschen vor verschlossenen Türen verharren

Wenn ein junger Mensch, eine Führungskraft oder ein Unternehmer vor einer scheinbar unüberwindbaren Hürde steht – sei es ein abgelehnter Kredit, ein überlaufener Markt oder eine starre Zulassungsschranke –, reagieren die meisten nach demselben passiven Muster: Sie stellen sich brav hinten in die Warteschlange, beschweren sich über die Ungerechtigkeit des Systems und hoffen darauf, dass sich die Tür irgendwann von selbst öffnet.

Im UNCUT-Gespräch mit der Wirtschaftsingenieurin und Unternehmensberaterin Ulrike Laubner-Kelleher habe ich eine Lebensgeschichte gehört, die das genaue Gegenteil dieser Wartelisten-Mentalität beweist. Ulrike wuchs in einfachen Verhältnissen in der Nähe von Köln auf. Schon in der Schule eckte sie regelmäßig an, weil sie Lehrer hinterfragte, die keinen Widerspruch duldeten, und schaffte es mit ihrem rebellischen Geist sogar unter der Überschrift „Hobbyschülerin“ in die lokale Tageszeitung. Nach einer fundierten Damenschneiderlehre stand für sie fest: Sie wollte Bekleidungstechnik studieren, um die Textil- und Modebranche von der Pike auf zu gestalten.

Doch als sie sich Anfang der neunziger Jahre an der damals führenden westdeutschen Hochschule für Bekleidungstechnik bewarb, prallte sie auf die eiserne Mauer des Numerus Clausus. Ihr Abiturschnitt reichte nicht für die sofortige Zulassung. Die offizielle Auskunft der Behörde lautete: Sieben Jahre Wartezeit.

Ost-Berlin 1994: Die Entscheidung gegen das Warten und für das Abenteuer

Sieben Jahre des eigenen Lebens im Wartestand verstreichen zu lassen, kam für Ulrike keine Sekunde infrage. Statt vor der verschlossenen westdeutschen Tür zu verharren, suchte sie auf der Landkarte nach einer unkonventionellen Hintertür – und fand sie im Jahr 1994 im frisch wiedervereinigten Ost-Berlin.

Während fast alle westdeutschen Studienbewerber damals ausschließlich an die gewohnten Hochschulen im Westen drängten, waren die Studienplätze im Osten Berlins frei zugänglich. Ulrike packte ohne Zögern ihre Koffer und zog in ein Umfeld, das für eine junge Frau aus dem Rheinland einem Kulturschock glich:

  • Graue Nachwenderealität statt westlichem Komfort: Im damaligen Ost-Berlin gab es keinen modernen Supermarkt an jeder Straßenecke, und wer sein Auto betanken wollte, musste kilometerweit nach einer Tankstelle suchen.
  • Zwei „Wessis“ unter 400 Studierenden: In ihrem riesigen Studentenwohnblock war sie eine von lediglich zwei Studierenden aus Westdeutschland unter rund 400 Kommilitonen aus der ehemaligen DDR, Russland, Polen und Osteuropa.
  • Gelebte Vielfalt statt Vorurteile: Anstatt sich abzukapseln, tauchte sie voll in diese Gemeinschaft ein, schloss tiefe Freundschaften über alle kulturellen Grenzen hinweg und nutzte nebenbei ein hochschuleigenes Austauschprogramm, um zusätzlich einen Bachelor-Abschluss in England zu erwerben.

Während ihre Altersgenossen im Westen noch immer auf der Warteliste standen, hatte Ulrike ihr deutsches Ingenieurstudium und ihr britisches Studium längst in der Tasche. Sie hatte durch den Mut zum unbequemen Ort sieben volle Lebensjahre gewonnen.

40 D-Mark im Monat und ein Tauchsieder: Die Charakterschule in Bulgarien

Doch Ulrike ging noch einen Schritt weiter. Als im Studium das Pflichtpraktikum anstand, wählte sie erneut nicht den bequemsten Konzern vor der Haustür, sondern ging gemeinsam mit einer Studienfreundin nach Bulgarien – in ein Land, das sich Mitte der neunziger Jahre im tiefsten wirtschaftlichen Umbruch befand.

Die äußeren Bedingungen dieses Praktikums klingen heute wie ein Überlebenstraining für Resilienz und mentale Härte:

  • Ein Monatsbudget von 40 D-Mark: Für den gesamten Lebensunterhalt hatten die beiden Studentinnen umgerechnet 40 D-Mark pro Monat zur Verfügung – wovon allein 25 D-Mark für die monatliche Busfahrkarte zur Fabrik abgingen.
  • Zwei Feldbetten im kahlen Betonblock: Ihre Unterkunft bestand aus einem völlig unrenovierten Zimmer ohne Tapeten an den Wänden, ausgestattet mit zwei einfachen Feldbetten, einer Toilette ohne Klobrille und einem simplen Wasserschlauch, der als Dusche direkt aus der Wand ragte.
  • Zwei Stunden warmes Wasser am Tag: Warmes Wasser gab es im gesamten Wohnblock nur morgens zwischen sechs und sieben Uhr sowie abends für eine einzige Stunde. Als eine bulgarische Kollegin aus dem Betrieb die beiden besuchte und sah, wie spartanisch sie lebten, schenkte sie ihnen voller Mitleid einen Tauchsieder, damit sie sich überhaupt warmes Wasser in einem Topf erhitzen konnten.
„Man kann im Leben unheimlich viel lernen, wenn man bereit ist, auf Komfort zu verzichten und einfach ins kalte Wasser zu springen. Ein dickes neues Auto gibt mir gar nichts – doch diese Erlebnisse mit echten Menschen nimmt einem niemand mehr weg.“

Warum Komfortverzicht der stärkste Karriere-Beschleuniger ist

Als ich Ulrike im Gespräch zuhörte, musste ich unwillkürlich an meine eigenen Lehrjahre denken. Wer einmal erlebt hat, dass man in einer kahlen Zelle oder in einem osteuropäischen Betonblock mit zwei Feldbetten und einem Tauchsieder nicht nur überlebt, sondern daran innerlich wächst, verliert für den Rest seines Lebens die Angst vor Krisen.

Viele Menschen glauben heute, persönliches Wachstum und Self-Leadership bestünden darin, sich das Leben so reibungslos und gepolstert wie möglich einzurichten. In der Praxis erzeugt permanenter Komfort jedoch geistige Trägheit und Verlustangst. Wer hingegen früh lernt, mit minimalen Ressourcen auszukommen, entwickelt eine unerschütterliche innere Freiheit:

  1. Unabhängigkeit von Statussymbolen: Wie Ulrike im Podcast betonte, verliert materieller Blendwerk – das teure Status-Auto oder das repräsentative Eckbüro – jede Macht über einen Menschen, der seinen Selbstwert aus echten gemeisterten Abenteuern zieht.
  2. Souveränität im internationalen Parkett: Weil sie in Ost-Berlin, England und Bulgarien gelernt hatte, sich in völlig fremden Kulturen zurechtzufinden, konnte sie später als Produktmanagerin und Beraterin problemlos mit Ingenieuren in der Schweiz, Lieferanten in Asien und Kunden in den USA auf Augenhöhe verhandeln.

Drei Lektionen für Menschen, die vor verschlossenen Türen stehen

  1. Niemals auf die offizielle Erlaubnis zum Starten warten: Wenn der direkte Hauptweg durch Bürokratie, Quoten oder Markteintrittsbarrieren blockiert ist, existiert fast immer eine geografische oder strategische Seitenstraße, die sofort frei befahrbar ist.
  2. Dorthin gehen, wo andere zu bequem sind: Die größten Chancen liegen selten dort, wo sich alle drängen. Wer bereit ist, für eine gewisse Zeit in ein unbequemes Umfeld, eine unterschätzte Region oder ein schwieriges Projekt zu gehen, baut in kürzester Zeit einen massiven Erfahrungsvorsprung auf.
  3. Erlebnisse und Kompetenz über Komfort stellen: Wahre Sicherheit entsteht nicht durch ein dickes Bankkonto oder einen unkündbaren Vertrag, sondern durch das Wissen, dass man sich an jedem Ort der Welt mit den eigenen Händen und dem eigenen Kopf wieder etwas aufbauen kann.
Impuls aus der Wirtschaft: Warum das offene Sprechen über unternehmerische Herausforderungen und Wandel entscheidend ist, betonte ich auch bei den 20. Egger Wirtschafts-Gesprächen («Aus Fehlern lernen statt nur Erfolge feiern» auf der Presse-Seite).

Dein nächster Schritt

Stehst Du in Deiner Karriere oder mit Deinem Unternehmen gerade vor einer verschlossenen Tür und verlierst wertvolle Lebenszeit mit Warten – oder bist Du bereit, die mutige Abkürzung außerhalb Deiner Komfortzone zu wählen? Im P.E.R.L.S.-System entwickeln wir das Mindset und die strategische Entschlossenheit, um Hindernisse in echte Vorsprünge zu verwandeln.

  • Sieh Dir das komplette Gespräch an: Die ungeschnittene UNCUT-Folge mit Ulrike Laubner-Kelleher findest Du hier auf YouTube.
  • 1:1 Mentoring & Strategie: Wenn Du Deine nächste berufliche oder unternehmerische Etappe ohne Umwege und Ausreden gestalten willst, informiere Dich über meine Marco Deutschmann LTD., besuche meine Seminare oder buche Dein Gespräch auf der Mentoring-Seite.
Marco Deutschmann

Marco Deutschmann

Marco Deutschmann, Gründer des P.E.R.L.S.© Education Systems.
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